Direkt zum Inhaltsbereich

Tinnitus

Sehen, was nicht hörbar ist

Bei der Diagnostik eines Tinnitus sind bildgebende Verfahren eine feste Größe. Doch helfen sie wirklich in jedem Fall, die Ursache zu finden? US-Forscher nachgehakt - und einige Einschränkungen gefunden.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Tinnitus? Bildgebende Verfahren können bei der Diagnostik helfen - in manchen Fällen.

Tinnitus? Bildgebende Verfahren können bei der Diagnostik helfen - in manchen Fällen.

© Hemera Technologies / photos.com

DURHAM. Das Verfahren der Wahl, um einem einseitigen nicht-pulsatilen Tinnitus auf die Spur zu kommen, ist die kontrastverstärkte MRT (The Laryngoscope 2013, online 19. September).

Ist der Tinnitus allerdings das einzige Symptom, sind die Chancen gering, dass sich dabei ein entscheidender Befund ergibt. Kommen weitere Beschwerden seitens des Innenohrs hinzu, erhöht sich die Quote auf immerhin 14 Prozent.

Schwierig ist es jedoch zu sondieren, welche Patienten am ehesten von der Magnetresonanztomographie (MRT) profitieren würden. Denn die klinischen Symptome, aber auch die Ergebnisse audiometrischer und vestibulärer Tests erlauben keine klare Vorhersage, wann mit einem Befund in der Bildgebung zu rechnen ist.

Ein pulsatiler Tinnitus legt eine vaskuläre Ursache nahe. Bildgebende Verfahren identifizieren hier in 44-91 Prozent strukturelle Anomalien. Wichtig ist, ob sich otoskopisch eine retrotympanische Raumforderung erspähen lässt.

US-Forscher würden CT bevorzugen

Ist dies der Fall, umfasst die Differenzialdiagnose Paragangliome des Glomus tympanicum bzw. jugulare, Anomalien der A. carotis interna - etwa eine Ektopie oder die karotido-kochleäre Dehiszenz - sowie anatomische Varianten des Bulbus superior venae jugularis. Eine Dünnschicht-Computertomografie des Felsenbeins ist hier die zu bevorzugende bildgebende Methode.

Weniger klar ist die Vorgehensweise, falls bei pulsatilem Tinnitus kein otoskopischer Befund vorliegt. MRT, MRT-Angio- und -Venografie sowie CT-Angio- bzw. -Venografie können hier die Ursache aufdecken.

Auf arterieller Seite kann dies zum Beispiel eine persistente A. stapedia, eine Karotisstenose oder ein aberranter Karotisverlauf sein. Venöserseits kann beispielsweise eine Sinusthrombose bzw. -stenose oder auch eine Bulbus-jugularis-Dehiszenz vorliegen.

Aus Kosten- und Verfügbarkeitsgründen sind für die initiale Diagnostik laut US-Forscher die computertomografischen Verfahren zu bevorzugen. Besteht der Verdacht auf eine durale arteriovenöse Fistel, ist eine konventionelle zerebrale Angiografie indiziert.

Mager ist bisher die Datenlage zum Nutzen der Bildgebung, wenn Tinnitus und Hörverlust beidseits und symmetrisch auftreten.

Mehr zum Thema

Auf klinische Zeichen achten!

Peritonsillarabszess häufig ohne vorausgehende Tonsillitis

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Auf einer Waage befindet sich ein Apfel sowie ein Maßband, daneben lieben Hanteln und ein grüner Blattsalat

© Davizro Photography / stock.adobe.com

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

 erschöpfter Malermeister

© Adobe Firefly / Andrea Schudok / generated by AI

Kasuistik

Schwindel und Leistungsknick: Was sehen Sie im EKG?

Ältere Frau sitzt auf dem Boden und hält sich den Kopf.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt