Direkt zum Inhaltsbereich

Kontamination

Nasensprays sind potenzielle Keimkanonen

Auf den Düsenspitzen von Sprays, wie sie etwa für die Steroidtherapie der chronischen Rhinosinusitis verwendet werden, können sich Nasenkeime ein schönes Leben machen.

Veröffentlicht:
Mikrobenhort.

Mikrobenhort.

© Ursula Deja-Schnieder / panthermedia.net

ADELAIDE. In einer Studie mit 25 prospektiv rekrutierten Patienten, die ihrer stabilen chronischen Rhinosinusitis mit nasalen Steroidsprays (Mometason oder Fluticason) zu Leibe rückten, haben australische HNO-Ärzte von der University of Adelaide die wechselseitigen Kontaminationen von Nasen und Nasenspray untersucht.

Dazu nahmen sie Abstriche vom mittleren Meatus nasi, vom Nasenvorhof und von der Spitze des Sprayfläschchens, das seit mindestens zwei Wochen täglich genutzt gewesen sein musste. Auch der Inhalt des Sprays wurde mikrobiologisch untersucht.

Bei allen Patienten fanden sich - meist Koagulase-negative - Staphylokokken im Nasenraum, bei 18 war auch der Befund auf dem Spray positiv (J Laryngol Otol 2014; 128 (Suppl. S1): S28-S33). Sieben Patienten beherbergten Staphylococcus (S.) aureus, der bei fünf auch die Fläschchenspitze besiedelt hatte.

Die Rate der Kreuzkontaminationen für S. aureus betrug damit 71 Prozent für die Träger des Keims und 20 Prozent bezogen auf alle Probanden. Immerhin erwies sich die Sprühflüssigkeit als mikrobiologisch einwandfrei.

Reinfizieren sich die Patienten ständig selbst?

Dass die Oberfläche von Nasensprays S. aureus eine Heimstatt bieten kann, ist nicht nur unschön, sondern potenziell auch ungesund. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge könnte der Keim in der Pathogenese der chronischen Rhinosinusitis eine Rolle spielen, vor allem in Fällen, die weder für eine medikamentöse noch eine chirurgische Therapie empfänglich sind.

"Unsere Entdeckung wirft also Bedenken auf, Patienten könnten sich womöglich ständig selbst mit Bakterien reinfizieren, indem sie die verschriebene Arznei verwenden", schreiben die australischen Experten.

Um Abhilfe bemüht, haben die Forscher aber auch untersucht, wie sich die Sprayspitze von Keimen befreien lässt. Dabei bewährten sich drei Verfahren: Abwaschen in kochendem Wasser, Abwischen mit Alkohol und einminütiges Bestrahlen der Spitze in der Mikrowelle. Kaltes Wasser oder Geschirrspülmittel bewirkten hingegen nichts oder wenig.

Die HNO-Ärzte aus Adelaide mahnen eindringlich, jeden chronisch Nasennebenhöhlen-Kranken nicht nur mit dem entsprechenden Nasenspray, sondern auch mit Hinweisen zum hygienischen Umgang mit demselben zu versorgen. Die empfohlenen Methoden zur Keimbefreiung sind jedenfalls allesamt haushaltstauglich. (rb)

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Robert Koch-Institut

Fast jeder dritte Erwachsene hört schlecht

Mit Daten von 4,2 Millionen Menschen

US-Analyse: COVID-19 verdoppelt Risiko für chronische Rhinosinusitis

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Podcast Dr. Lars Reichstein

© Porträt: Dr. Lars Reichstein, Hamburg | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Stiller Reflux in der HNO-Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG, Hohenlockstedt
Abb. 1: Prozentualer Anteil der Patientinnen und Patienten pro Gruppe mit den genannten Symptomen zum Zeitpunkt der Visite 1 (Erstvorstellung) und Visite 2 (24–72h nach Erstvorstellung).

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [13]

Akute Otitis media – Behandlungsoptionen in der Praxis

Leitlinienbasierte Therapie für schnelle Symptomverbesserung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Homöopathisches Laboratorium Alexander Pflüger GmbH & Co. KG, Rheda-Wiedenbrück
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt

Lesetipps
Die Hepatitis-B-Impfung hat in einem Impfausweis ein Kreuz.

© Daniel Naupold/dpa

Besonderes Augenmerk auf HBV

HIV und Impfungen: Was beachten, was testen?

Eine Frau fasst sich mit den Händen an den Kopf.

© Graphicroyalty / stock.adobe.com

Mentale Gesundheit gestärkt

Mit einem Fünf-Tages-Programm gegen chronischen Kopfschmerz