Ärzte Zeitung online, 17.02.2014

Tausendsassa ASS

Vestibularis-Schwannome im Fadenkreuz

Auf der Suche nach Substanzen, mit denen sich Akustikusneurinome behandeln oder kontrollieren lassen könnten, sind HNO-Spezialisten der Harvard Medical School auf eine alte, vielseitig begabte Bekannte gestoßen: Acetylsalicylsäure (ASS).

BOSTON. Als Akustikusneurinome bekannte sporadische Vestibularis-Schwannome lassen sich mit ASS womöglich in Schach halten. Diese Vermutung leiten Harvardforscher um die Neurootologin Professor Konstantina Stankovic aus den Ergebnissen einer retrospektiven Fallstudie ab, an der 347 Patienten mit Akustikusneurinomen beteiligt waren.

In diesen Fällen hatten sich Ärzte und Betroffene für ein konservatives Management entschieden. Nach der Devise "Wait and Scan" wurde das Verhalten des Tumors engmaschig per Magnetresonanztomografie beobachtet (Otol Neurotol 2014; 35(2): 353-357).

Dabei zeigte sich eine inverse Beziehung zwischen der Wachstumsneigung des Neurinoms und der regelmäßigen Einnahme von ASS - sei es weil die jeweiligen Patienten eine entsprechende Begleitkrankheit hatten, oder sei es zur Prävention von Myokardinfarkt oder Zerebralinsult.

81 Probanden nahmen ASS zu solchen Zwecken ein. Bei 48 von ihnen (59 Prozent) blieb die Tumorgröße unverändert. Ohne ASS-Medikation lag der Anteil der Patienten mit Nullwachstum des Neurinoms bei 42 Prozent.

Nach dem Alter der Studienteilnehmer abgeglichen, lag das Verhältnis der Zahl wachsender zu jener nicht wachsender Tumoren in der ASS-Gruppe um mehr als die Hälfte niedriger als in der Gruppe ohne ASS (Odds Ratio 0,47).

Ein Trend in Richtung einer bremsenden ASS-Wirkung ergab sich auch bei der Kalkulation der mittleren jährlichen Wachstumsrate. Für ASS-Einnahme ergab sich dabei eine Rate von 0,865 mm/Jahr, ohne ASS waren es 1,23 mm/Jahr. Allerdings war dieses Resultat statistisch nicht signifikant.

Bei aller Vorläufigkeit ihrer Befunde sehen die Forscher darin durchaus Hinweise auf ein Potenzial von ASS, Akustikusneurinome am Wachsen zu hindern.

Sie verweisen darauf, dass die Cyclooxygenase-2 (COX-2) - eine Zielstruktur von ASS - bei den meisten sporadischen Vestibularis-Schwannomen hochkonzentriert vorliegt und die COX-2-Expression mit einer hohen Proliferationsrate korreliert. (rb)

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