Ärzte Zeitung online, 18.02.2014

Stimmbandknötchen

Je größer, desto besser die Therapie

Bei Kindern sprechen größere Stimmbandknötchen offenbar eher auf eine Therapie an als kleinere. Am größten ist der Erfolg der Behandlung bei postpubertären Patienten.

WILMINGTON. Wie gut sich bei Kindern und Heranwachsenden benigne Knötchen an den Stimmbandrändern durch unterschiedliche therapeutische Maßnahmen zurückbilden, ist bisher kaum untersucht worden.

US-Kinderärzte um Dr. Heather C. Nardone von der Kinderklinik in Wilmington haben sich deshalb die Befunde von 67 Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden zwischen drei und 21 Jahren in diesem Zusammenhang retrospektiv angeschaut. Die Knötchen ragten weniger als 0,5, zwischen 0,5 und 1,0 oder mehr als 1,0 Millimeter über den Stimmbandrand hinaus.

Bei 19 Patienten wurde nur beobachtet oder es wurden verhaltenstherapeutische Maßnahmen empfohlen. 45 Patienten erhielten eine Stimmtherapie mit oder ohne Maßnahmen gegen Begleiterkrankungen wie allergische Rhinitis oder gastroösophagealer Reflux. Nur drei Patienten wurden operiert. Die Nachbeobachtungszeit lag zwischen einem Monat und neun Jahren, 11 Monaten (JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2014; online 16. Januar).

Je größer die Knötchen waren, umso besser sprachen die Patienten auf die Therapie an. Das galt im Wesentlichen für Patienten mit Knötchen, die größer als 1 mm waren. Dabei bildeten sie sich vor allem durch die Stimmtherapie - und natürlich durch den chirurgischen Eingriff - zurück.

Aufgrund der Befunde schätzen die Ärzte, dass es mit dieser Behandlung im Mittel etwa drei Jahre dauert, bis sich die Knötchen um eine der drei Stufen verkleinern. Nur minimale Veränderungen erwarten sie dagegen bei jenen Patienten, die nur beobachtet werden oder nur eine Anleitung zur Stimmhygiene bekommen.

Nardone und ihre Kollegen haben schließlich untersucht, ob es Unterschiede im Therapieerfolg je nach Alter der Patienten gab. Tatsächlich war die Therapie bei den Jugendlichen, die älter als 13 Jahre waren, erfolgreicher als bei den jüngeren Patienten. Allerdings waren in dieser Gruppe nur sieben Studienteilnehmer.

Aufgrund der Befunde schätzen die Ärzte, dass die Therapie über etwa eineinhalb Jahre erfolgen muss, um die Knötchen um eine Stufe zu verkleinern. Bei Kindern unter 13 Jahren seien dagegen kaum Verbesserungen zu erwarten.

Dass die Älteren dabei offenbar besser abschneiden, könnte nach Ansicht von Nardone und ihren Kollegen an den hormonellen Veränderungen nach der Pubertät liegen. Eine andere Erklärung könne eine bessere Therapieadhärenz als bei den jüngeren Patienten sein.

Auch die Vergrößerung der Stimmlippen während der Entwicklung und dadurch eine veränderte Lage der Stimmbandränder zueinander könnten dazu beitragen, dass bereits vorhandene Knötchen nicht weiter durch Scherkräfte belastet würden und sich so im Laufe der Zeit zurückbildeten. (ple)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »