Ärzte Zeitung, 15.12.2014

Nach Sinusitis-Op

Antibiotika meist nutzlos

Einer deutschen Studie zufolge gibt es keinen Grund, Patienten nach chirurgischer Therapie einer chronischen Rhinosinusitis generell ein Antibiotikum zu verordnen.

Von Beate Schumacher

HALDENSLEBEN. Die Entzündung der Nasenschleimhaut und die meisten klinischen Parameter werden nicht verbessert, wenn Patienten nach einer Operation wegen chronischer Rhinosinusitis ein Makrolid-Antibiotikum erhalten.

HNO-Ärzte vom AMEOS-Klinikum Haldensleben und der Uniklinik Mainz haben den Nutzen einer postoperativen Makrolidtherapie bei CRS-Patienten in einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie untersucht (Laryngoscope 2014, online 25. November).

29 Patienten, davon 15 mit Polyposis, sollten drei Monate lang täglich 250 mg Erythromycin einnehmen; weitere 29, davon 17 mit Polyposis, erhielten Placebo.

Als primäre Endpunkte wählten die Studienautoren um Boris R. Haxel zwei nasale Entzündungsparameter: die Konzentrationen an eosinophilem kationischem Protein (ECP) und an Myeloperoxidase (MPO) im Nasensekret.

Möglicherweise als Folge des chirurgischen Eingriffs hatten die ECP-Spiegel nach drei Monaten in beiden Gruppen zugenommen, von 176,4 μl/l auf 226,1 μl/l unter Erythromycin und von 186,9 μl/l auf 192,9 μl/l mit Placebo.

Der Unterschied war nicht signifikant. Die MPO-Werte konnten nur bei wenigen Patienten bestimmt werden; auch hier bestand keine signifikante Differenz.

Zusätzlich wurde die klinische Wirkung der Makrolidtherapie anhand mehrerer sekundärer Endpunkte beurteilt.

Geruchssinn verbessert sich auch ohne Medikament

Ein signifikanter Vorteil ergab sich allerdings nur bei der endoskopischen Untersuchung: Der Bewertungs-Score, in den Schwellung und Rötung der Schleimhaut, Sekretbildung und die Existenz von Polypen eingingen (0-7 Punkte im schlechtesten Fall), belief sich unter Erythromycin anfangs auf 2,6 und nach drei Monaten auf 1,9 Punkte, unter Placebo waren es 2,5 und 2,6 Punkte.

Der Unterschied von 0,8 Punkten wird von den HNO-Ärzten als klinisch relevant angesehen.

Das Abschneiden im Sinonasal Outcome Test (SNOT) sowie der Geruchssinn und die Saccharin-Transitzeit, ein Maß für die ziliäre Clearance, verbesserten sich postoperativ in beiden Gruppen, ohne Unterschied zwischen Verum und Placebo.

Bei der subjektiven Beurteilung der Rhinosinusitis-Beschwerden anhand einer VAS-Skala von 0-10 schnitt die Placebobehandlung numerisch sogar besser ab als das Antibiotikum (Rückgang um 1,7 vs. 0,8 Punkte), statistisch signifikant war aber auch dies nicht.

Bei der Analyse verschiedener Subgruppen kristallisierte sich eine Patientengruppe heraus, die von der Makrolidtherapie etwas mehr profitierte: Patienten ohne Polyposis hatten damit in allen sekundären Endpunkten zumindest tendenziell bessere Ergebnisse, ein signifikanter Vorteil zeigte sich aber auch bei ihnen nur im Endoskopie-Score.

Keine schweren Nebenwirkungen

Schwere Nebenwirkungen traten unter der antibiotischen Therapie nicht häufiger auf als unter Placebo. Sie führte aber insgesamt zu mehr Nebenwirkungen, vor allem am Magen-Darm-Trakt, und dadurch auch zu mehr Therapieabbrüchen.

Haxel und Kollegen kommen aufgrund ihrer Studie zu dem Schluss, "dass eine generelle Empfehlung für eine längerfristige, niedrig dosierte Erythromycintherapie nach einer CRS-Operation nicht befürwortet werden kann".

Sie sprechen sich jedoch dafür aus, die Wirkung bei CRS-Patienten ohne Nasenpolypen weiter zu untersuchen.

In der EPOS (European Position Paper on Rhinosinusits)-Leitlinie von 2012 werden Makrolide zur Behandlung von Patienten mit chronischer Rhinosinusitis ohne Polyposis mit Evidenzgrad Ib empfohlen.

Der Nutzen wird auf antientzündliche und immunmodulatorische Effekte der antimikrobiellen Behandlung zurückgeführt.

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