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US-Studie

Erhöht Schwindel das Risiko zu sterben?

Schwindel wird oft als beiläufiges Symptom abgetan. Laut einer US-Studie liegt das Mortalitätsrisiko nicht an den begleitenden Faktoren, sondern Schwindel ist ein unabhängiger Risikoparameter.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Wer an Schwindel leidet, stirbt oft früher. Eine US-Studie hat Menschen mit Schwindelanfällen jetzt ein erhöhtes Mortalitätsrisiko bescheinigt.

Wer an Schwindel leidet, stirbt oft früher. Eine US-Studie hat Menschen mit Schwindelanfällen jetzt ein erhöhtes Mortalitätsrisiko bescheinigt.

© ArTo / fotolia.com

BOSTON. Schwindel ist ein relativ häufiges Symptom. In großen epidemiologischen Erhebungen klagten bis zu 20 Prozent der älteren Menschen über entsprechende Beschwerden oder Gleichgewichtsstörungen.

Eduardo Corrales und Neil Bhattacharyya, HNO-Spezialisten der Harvard Medical School in Boston, haben die Daten von mehr als 210 Millionen US-Amerikanern durchforstet, die sich 2008 am National Health Interview Survey beteiligt hatten (Laryngoscope 2016, online 10. Februar). Die Forscher wollten herausfinden, ob sich im Schwindel ein erhöhtes Sterberisiko ankündigt.

Studie: Schwindelbetroffene haben doppelt so hohe Sterblichkeitsrate

Rund 11 Prozent der Studienteilnehmer im Alter von durchschnittlich knapp 46 Jahren - etwa die Hälfte davon Frauen - hatten im Jahr 2008 mindestens einmal an Schwindel gelitten. 9 Prozent der Studienteilnehmer dieser Gruppe starben in den folgenden fünf Jahren. Bei den Schwindelfreien betrug die Mortalität 2,6 Prozent.

Nach Abgleich gegen Alter und Geschlecht ergab sich aus diesen Zahlen eine schwindelassoziierte Verdoppelung der Sterblichkeitsziffern (Odds Ratio [OR] 2,2). Ziel dieses Abgleichs war nicht zuletzt, dem Argument vorzubauen, wonach die erhöhte Mortalität auf Stürze von älteren Personen oder von Frauen mit osteoporotisch veränderter Knochenstruktur zurückgehe.

Corrales und Bhattacharyya bezogen sodann weitere Variablen in ihre Berechnungen ein, darunter Diagnosen von Diabetes, kardio- und zerebrovaskulären Erkrankungen sowie malignen Tumoren. Doch auch nach Berücksichtigung dieser Größen war ein obzwar abgeschwächter, aber unabhängiger Einfluss von Schwindelsymptomen auf die Mortalität nachweisbar.

Das Risiko zu sterben lag für Schwindelpatienten noch immer 70 Prozent über dem Risiko von Schwindelfreien (OR 1,7).

Schwindel als 5. häufigste Todesursache?

Die beiden Wissenschaftler verweisen darauf, dass die über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtete Mortalität von 9 Prozent, die mit Schwindel einhergeht, in der Größenordnung den Sterbeziffern gleicht, die auf die vier Haupttodesursachen in den USA entfallen. Es handelt sich dabei um zerebrovaskuläre Erkrankungen (18,7 Prozent), Krebs (11,6 Prozent), kardiovaskuläre Erkrankungen (10,5 Prozent) und Diabetes mellitus (9,8 Prozent).

Corrales und Bhattacharyya halten es deshalb für gerechtfertigt, auf Schwindel als einen Faktor zu screenen, der ein erhöhtes Sterberisiko anzeigt.

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