Ärzte Zeitung, 14.10.2010

Adipositas erhöht Präeklampsie-Risiko

Eine Präeklampsie kann bei der davon betroffenen Schwangeren und ihrem Kind zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Durch Erkennen von Risikopatientinnen lässt sich die frühe Diagnostik der Gestose verbessern und dann auch entsprechend behandeln.

Von Ingrid Kreutz

Adipositas erhöht Präeklampsie-Risiko

Blutdruckmessung bei einer Schwangeren: Diese Untersuchung gehört zur Diagnostik einer Präeklampsie.

© Dron / fotolia.com

MÜNCHEN. Präeklampsie ist auch in Deutschland keine Rarität: 2,3 Prozent aller Schwangeren bekommen nach einer aktuellen Erhebung diese Erkrankung, die bei zu spätem Handeln zu lebensbedrohlichen Situationen für Mutter und Kind führt.

Zur Präeklampsie gehört die Hypertonie mit Blutdruckwerten von mehr als 140/90 mmHg nach der 20. Schwangerschaftswoche oder einem Anstieg um mehr als 30 mmHg systolisch oder mehr als 15 mmHg diastolisch. Außerdem haben die betroffenen Frauen eine Proteinurie (mehr als 0,3 g im 24-h-Urin).

Eine Forschergruppe um Dr. Holger Maul von der Kath. Marienkrankenhaus GmbH in Hamburg hat die Kohorte des Jahres 2006 aus der Deutschen Perinatalerhebung analysiert. Registriert waren 658 345 Neugeborene und 647 385 Mütter aus mehr als 900 Kliniken. Demnach entwickeln in Deutschland 2,3 Prozent aller Schwangeren eine Präeklampsie. Das waren im Jahre 2006 nahezu 15 000 Schwangere. Diese Daten sind beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshife in München vorgestellt worden.

Zur Hochrisikogruppe für eine Präeklampsie gehören der aktuellen Studie zufolge ältere Schwangere sowie Schwangere mit niedrigem Sozialstatus, Adipositas oder einem Gestationsdiabetes. Außerdem haben Frauen, die ihr erstes Kind oder Mehrlinge erwarten, ein signifikant erhöhtes Präeklampie-Risiko.

Da es bisher in Deutschland noch kein Präeklampsie-Screening gebe, sollten Kollegen zumindest die Risikogruppen kennen, um eine Früherkennung und Therapie zu ermöglichen. Denn nicht nur die betroffenen Frauen selbst, sondern auch die Kinder haben erhebliche gesundheitliche Risiken. So ist etwa das Risiko für eine Mikrosomie bei Jungen zweifach und bei Mädchen 1,86-fach erhöht. Außerdem ist bei Schwangeren mit Präeklampsie häufiger eine Notsectio erforderlich und die Kinder haben bei der Geburt häufiger als Kinder von Frauen ohne die Gestose schlechte Vitalfunktionen (5-Minuten-APGAR-Score unter 7).

Die einzig kausale Therapie bei Präeklampsie ist die Entbindung. Patientinnen am Termin erhalten eine Zervixreifung und Weheninduktion mit Prostaglandinen. Beim Auftreten der Symptome in zweiten Trimenon empfehlen Experten die Krankenhauseinweisung und Blutdruckeinstellung. Persistiert die Hypertonie, oder kommt es zu anderen maternalen oder fetalen Verschlechterungen, muss die Geburt eingeleitet werden.

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