Ärzte Zeitung, 24.05.2012

"Spirale danach" verhütet im Notfall am sichersten

NEU-ISENBURG (dk). Jeder Frau, die eine Notfallkontrazeption wünscht, sollte routinemäßig das Intrauterinpessar (IUD) und nicht nur die "Pille danach" angeboten werden, fordern US-Wissenschaftler in einer aktuellen Studie (Human Reprod 2012; online 8. Mai). Denn die Spirale schützt im Notfall deutlich besser vor einer ungewünschten Schwangerschaft als die üblicherweise genutzten hormonellen Präparate, so das Ergebnis. Von 1000 Frauen, die sich postkoital ein IUD einlegen ließen, wurde nur eine schwanger.

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 42 Studien, die zwischen 1979 und 2011 in sechs verschiedenen Ländern durchgeführt worden waren und an denen insgesamt 7043 Frauen teilgenommen hatten.

Zwischen ungeschütztem Verkehr und Insertion des IUD vergingen zwischen zwei und zehn Tagen. Bei den meisten Frauen (74 Prozent) wurde die Spirale innerhalb der empfohlenen fünf Tage in den Uterus eingesetzt.

Die Schwangerschaftsraten waren in allen Studien sehr niedrig, mit Ausnahme die einer ägyptischen Studie mit nur 200 Frauen. Allein auf diese Untersuchung entfielen 4 der insgesamt 10 eingetretenen Schwangerschaften.

Die Versagerquote war mit 2 Prozent ungewöhnlich hoch und stand im Gegensatz zu allen anderen Studien. Cleland und ihr Team werteten die ägyptische Studie als "Ausreißer" und berücksichtigten sie in der Gesamtauswertung nicht.

Die verbleibenden 41 Studien bescheinigten dem IUD mit einer Gesamtversagerquote von 0,09 Prozent einen fast hundertprozentigen Therapieerfolg.

Die Spirale schützt demnach Frauen im Notfall sicherer vor einer ungewünschten Schwangerschaft als Levonorgestrel oder Ulipristalacetat, deren Versagerquoten die ESHRE mit 2 bis 3 Prozent beziehungsweise 1 bis 2 Prozent beziffert. Trotz ihrer Effektivität werden IUDs zur Notfallkontrazeption bisher nur selten genutzt, bedauern die Studienautoren.

Quelle: www.springermedizin.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

KBV und Psychotherapeuten kritisieren Honorarbeschluss

BERLIN. Der erweiterte Bewertungsausschuss hat am Mittwochnachmittag gegen die Stimmen der KBV einen Beschluss zur Vergütung der neuen psychotherapeutischen Leistungen gefasst. mehr »