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Soja-Diät - als Hirndoping wirkungslos

Anders als erhofft verbessern sojareiche Diäten die Denkleistung offenbar nicht. Das haben US-Forscher in einer Studie mit älteren Frauen festgestellt.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Nicht wirksamer als Placebo: Der tägliche Sojadrink hilft nicht gegen die Vergesslichkeit.

Nicht wirksamer als Placebo: Der tägliche Sojadrink hilft nicht gegen die Vergesslichkeit.

© Gina Sanders/fotolia.com

STANFORD. Eine sojareiche Diät hat bei Frauen nach der Menopause insgesamt keinen nennenswerten Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten.

Lediglich eine leichte Verbesserung des visuellen Gedächtnisses ließ sich in einer US-amerikanischen Studie nachweisen.

Die Wirkung von Asia-Diäten auf Wechseljahrbeschwerden wird seit langem kontrovers diskutiert.

Vor allem bei Hitzewallungen sollen sojareiche Nahrungsmittel angeblich helfen, aber auch ein Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten von Seniorinnen wurde vermutet.

Frauen nach der Menopause nahmen an der Studie teil

Dass eine spezielle Sojadiät mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen die globale kognitive Funktion kaum zu verbessern vermag, hat jetzt eine randomisierte Studie aus den USA ergeben.

Darin wurden 313 Frauen nach der Menopause im Alter zwischen 45 und 92 Jahren für zwei Gruppen ausgelost: Die einen erhielten über zweieinhalb Jahre täglich 25 Gramm eines isoflavonreichen Sojaprodukts (entweder als Pulver oder Riegel) mit den Inhaltsstoffen Genistein, Daidzein und Glyzitein.

Der Placebogruppe wurde über denselben Zeitraum ein gleich aussehendes Milchproteinprodukt ohne Isoflavone angeboten (Neurology 2012; 78 (23): 1841-1848).

Die Adhärenz war in beiden Gruppen mit 90 in der Verum- und 89 Prozent in der Placebogruppe exzellent. Beide hatten sich in einem zusammengesetzten neuropsychologischen Score aus 14 verschiedenen Parametern insgesamt verbessert, ein Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch nicht zu erkennen.

Durch die Isoflavone, die wegen ihrer leichten geschlechtshormonellen Wirkung auch als "Phytoöstrogene" bezeichnet werden, hatten sich lediglich der Parameter "visuelles episodisches Gedächtnis" gebessert, zum Beispiel das Erinnern von Gesichtern.

In allen anderen Punkten, zum Beispiel beim räumlichen Vorstellungsvermögen, Auswendiglernen von Aufzählungen oder beim logischen Gedächtnis, lag die Placebogruppe gleichauf.

Weder Alter noch Zeitpunkt des Eintritts in die Menopause oder das Vorhandensein von Wechseljahrsbeschwerden hatten einen nennenswerten Einfluss auf das Ergebnis.

Ein leichter Trend zu schlechteren Werten zeigte sich allerdings bei Frauen, die wegen eines chirurgischen Eingriffs in die Wechseljahre gekommen waren.

Isoflavone binden an Östrogenrezeptoren

Die Forscher um Victor W. Henderson von der Universität Stanford hatten insbesondere auf Effekte in puncto episodisches Gedächtnis spekuliert; als dessen anatomisches Korrelat im Gehirn wird unter anderem der Hippocampus postuliert.

Isoflavone binden an Östrogenrezeptoren, vor allem ß-Rezeptoren, die im Hippocampus in relativ hoher Konzentration vorliegen. Die Hoffnung auf entsprechende kognitive Effekte wurde durch die doppelblinde Langzeitstudie nun weitgehend enttäuscht.

Die Wissenschaftler raten von sojareichen Diäten mit dem Ziel, dadurch global Geistesleistungen zu verbessern, ab, sehen aber auch keinen Anlass, eine Schadwirkung zu vermuten. Assoziationen mit einer späteren Demenz fanden sich in der Studie nicht.

Quelle: www.springermedizin.de

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