Ärzte Zeitung, 23.10.2012

Mikronährstoffe

Jungbrunnen für Spermien

Mit den Jahren häufen sich im Erbgut der Samenzellen Fehler. Dagegen helfen offenbar Vitamine.

Mikronährstoffe sind ein Jungbrunnen für die Spermien

Spermien in rot: Vielleicht hilft eine Vitaminkur.

© Martin Kreutz / panthermedia.net

BERKELEY (dk). Bei älteren Männern verschlechtert sich die Spermienqualität: Vor allem in der DNA häufen sich Fehler, unter anderem weil im Alter die Schutzmechanismen, die das Erbgut vor oxidativem Stress bewahren, nachlassen.

Ob ein Plus an Vitaminen und Spurenelementen dem entgegenwirkt, hat das Team um den US-Forscher Thomas Schmid aus Berkeley an 80 Männern im Alter von 20 bis 80 Jahren, alle Nichtraucher, überprüft (Fertil Steril 2012; online 28. August).

Die tägliche Vitaminaufnahme bestimmten sie anhand des Modified Block Food Frequency Questionnaire, den Anteil der DNA-Schäden in den Proben mit dem sogenannten Comet-Assay.

Und die Antioxidanzien zeigten Wirkung: So lag bei Männern mit der höchsten täglichen Vitamin-C-Dosis (459 bis 3370 mg/dl) im Vergleich zu denjenigen mit der geringsten Vitamin-C-Aufnahme pro Tag (26 bis 99 mg/dl) der Anteil erbgutgeschädigter Spermien um 16 Prozent niedriger.

Ein ähnlicher Zusammenhang ließ sich auch für Vitamin E, Folsäure und das Spurenelement Zink nachweisen, nicht jedoch für Beta-Karotin. Von den Mikronährstoffen profitierten überwiegend die älteren Probanden.

Bei optimaler Versorgung hatten sie eine ähnlich gute Spermienqualität wie die jüngeren Männer. Die jungen Probanden profitierten hingegen von höheren Vitamin-Dosen nicht.

Männer ab 40 Jahre können nach Meinung der Studienautoren mit ausreichend Vitamin C, E, Folsäure und Zink DNA-Schäden der Spermien vorbeugen. Ob das aber die Fruchtbarkeit steigert und die Gesundheit der Nachkommen verbessert, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden.

[23.10.2012, 17:46:54]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Naiver Empirismus - is(s)t der Mann gesund, freuen sich die Spermien
Die zugrunde liegende Untersuchung ist ein Musterbeispiel für Naiven Empirismus. Die Autoren geben "Design - Cross-sectional study", also Querschnittstudie, an. 'Querschnittuntersuchungen sind mit Schnappschüssen von Populationen beschrieben, über die Daten gesammelt wurden' ("Cross-sectional surveys have been described as snapshots of the populations about which they gather data")*. Ergänzt wurde das Studiendesign durch die Beschreibung von Art, Umfang und Zusammenhängen bei DNA-Schäden der Spermien mittels des "Single Cell Gel Electrophoresis assay", Comet Assay.

Doch die für den Hauch von Relevanz der Schlussfolgerungen notwendige Vergleichsgruppe fehlt. Mit einem 100 Punkte umfassenden Ernährungsfragebogen ("100-item Modified Block Food Frequency Questionnaire FFQ") erfasste man bei allen 80 Nichtrauchern o h n e Fertilitätsprobleme im Alter von 22-80 Jahren, dass ihre DNA-intakte Spermienqualität von besonders gesundheitsbewusstem Ess-Verhalten mit viel Vitamin C, E, Beta-Karotin, Zink und Folsäure in der Nahrung und zusätzlichen Nahrungsergänzungsmitteln abhängen könnte.

Dass Männer mit mehr Nahrungssupplementierung und höheren Vitamin C-, E-, Zink- und Folsäure-Spiegeln (Beta-Karotin brachte nichts) vielleicht insgesamt gesünder leben, weniger krank und intelligenter sein, mehr Sport machen, weniger Übergewicht haben oder über mehr Geld für bessere Ernährung verfügen könnten, interessierte hier offensichtlich nicht. Und wie 80-jährige ihre bessere Spermaqualität sinnvoll nutzen sollten, bleibt in "Fertility and Sterility" undiskutiert.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

*John Hall
http://srmo.sagepub.com/view/encyclopedia-of-survey-research-methods/n120.xml

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[23.10.2012, 07:48:11]
Dr. Ralf Hettich 
Diese Zusammensetzung sollte gesundes Sperma haben
Wenn Männer eine (späte) Vaterschaft planen, zeigt die Untersuchung des Ejakulats auf, wie es um ihre Zeugungsfähigkeit bestellt ist. Die WHO (World Health Organization) erstellt Richtlinien, nach denen die Fertilität des Mannes beurteilt werden kann. Ein Mann gilt als fruchtbar, wenn im Ejakulat mehr als 20 Millionen Spermien je Milliliter enthalten sind.

Davon sollen mindestens zwei Drittel beweglich sein und der Anteil der veränderten Samenzellen soll weniger als ein Drittel betragen. Es dürfen sich auch keine Bakterien oder weißen Blutkörperchen im Ejakulat befinden.


Konzentration  > 20 Mio. Spermatozoen/ml
Gesamtzahl  > 40 Mio. Spermatozoen / Ejakulat
Beweglichkeit  > 25 % schnell vorwärtsbewegliche Spermien
Morphologie  > 30 % normal geformte Spermien
Vitalität   > 75 % vitale Spermien
Viskosität  Ejakulat verflüssigt sich innerhalb einer Stunde
Leukozyten  < 1 Mio/ml
Fruktose  > 13 µmol/Ejakulat
Zink  > 2,4 µmol/Ejakulat
pH-Wert  7,2 – 7,8

Mit den besten Wünschen für einen erfüllten Kinderwunsch

Dr. Ralf Hettich

Mail: info@ralfhettich.de zum Beitrag »

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