Ärzte Zeitung, 15.08.2013

Hausgeburten

Nicht immer riskanter als in der Klinik

Eine niederländische Kohortenstudie macht Schwangeren Mut zur Hausgeburt. Speziell bei Frauen, die zuvor schon ein Kind zur Welt gebracht hatten, war die Komplikationsrate sogar niedriger, wenn sie zu Hause niederkamen.

Von Elke Oberhofer

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Besonders bei Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, ist die Hausgeburt eine risikoarme Variante.

© Klaus Rose

AMSTERDAM. In der Studie an der Universität Amsterdam hatten sich 92.000 Frauen für eine Hausgeburt entschieden, 52.000 für die Klinik. Die Niederlande haben die höchste Hausgeburtenrate der westlichen Länder.

Die Forscher hatten ein großes Geburtenregister und eine Morbiditätsstudie genutzt. Alle Teilnehmerinnen hatten ein niedriges Geburtsrisiko und keinen Kaiserschnitt in der Anamnese. Mehrlingsschwangerschaften waren ausgeschlossen, die Geburt war durchweg nach einer Schwangerschaftsdauer zwischen 37 und 42 Wochen spontan in Gang gekommen (BMJ 2013; 346: f3263).

Als schwere Komplikationen galten gynäkologische Blutungen, die eine Bluttransfusion (mindestens vier Beutel) erforderlich machten, Uterusruptur, Eklampsie, das HELLP-Syndrom und eine Einweisung auf die Intensivstation.

Unterschiede als Resultat schlechter Erfahrungen?

Solche Zwischenfälle ereigneten sich bei den geplanten Hausgeburten mit einer Rate von 1,5 pro 1000, bei den geplanten Klinikgeburten mit einer Rate von 2,7 pro 1000 Fällen. Die häufigste Komplikation in beiden Gruppen bestand in einer (minderschweren, aber klinisch relevanten) postpartalen Blutung (29,2 gegenüber 39,9 pro 1000 Fälle).

Deutliche Unterschiede zwischen Haus- und Klinikgeburt zeichneten sich bei Frauen ab, die zuvor bereits ein Kind zur Welt gebracht hatten. In dieser Gruppe war die Hausgeburt eindeutig die risikoärmere Variante mit Raten von 1,0 gegenüber 2,3 für schwere mütterliche Komplikationen insgesamt, von 19,6 versus 37,6 für postpartale Blutungen und von 8,5 versus 19,6 für die manuelle Entfernung der Plazenta.

Die Forscher schließen nicht aus, dass diese Unterschiede mit schlechten Erfahrungen bei der vorangegangenen Geburt zusammenhängen. In solchen Fällen ist es gut möglich, dass die werdende Mutter sich tendenziell eher für die Klinik entscheidet. Dies führe möglicherweise zu besseren Ergebnissen für die Hausgeburt, spekulieren die Wissenschaftler.

Hausgeburt bei Mehrfachgebärenden sogar weniger riskant

Tatsächlich kamen bei der Hausgeburt insgesamt weniger medizinische Maßnahmen zum Einsatz als bei der Klinikgeburt: Wehenmittel mussten bei den Erstgebärenden in 23 gegenüber 28 Prozent verabreicht werden, zu einer operativen Entbindung kam es in 23 gegenüber 25 Prozent der Fälle. Bei den Frauen, die schon Kinder hatten, lagen die entsprechenden Raten bei 3,4 gegenüber 7,8 Prozent (Wehenmittel) und bei 1,6 versus 3,2 Prozent (operative Entbindung).

Fazit der Forscher: Bei unkomplizierten Schwangerschaften deutet nichts darauf hin, dass die Hausgeburt einer Klinikgeburt in puncto Sicherheit unterlegen wäre. Das gilt für die mütterliche Gesamtmorbidität, das Risiko einer postpartalen Blutung oder die Notwendigkeit einer manuellen Plazentalösung. Bei mehrfachgebärenden Frauen war die Hausgeburt in den genannten Punkten sogar weniger riskant. Bei den Nulliparae gab es zwar einen Trend in dieselbe Richtung, die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

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