Ärzte Zeitung, 11.05.2015

Nach der Menopause

Häufiger Eierstockkrebs nach Hormontherapie

Eine Hormontherapie nach der Menopause begünstigt offenbar die Entstehung von Ovarial-Krebs. Selbst bei einer Behandlungsdauer unter fünf Jahren fand sich in einer Metaanalyse ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Von Beate Schumacher

Häufiger Eierstockkrebs nach Hormontherapie

Kritischer Blick auf den Beipackzettel: Welche potenziellen unerwünschten Effekte bringt die Therapie mit sich?

© drubig-photo / fotolia.com

OXFORD. Wie sich eine Hormontherapie (HT) in der Peri- und Postmenopause auf das Ovarialkarzinomrisiko auswirkt, wird derzeit in maßgeblichen Leitlinien unterschiedlich bewertet.

In der deutschen Leitlinie von 2009 wird zwar die Aussage getroffen: "Eine HT erhöht das Ovarialkarzinomrisiko … ( Evidenzgrad IIa)". Dort findet sich aber auch der Hinweis, dass "qualitativ guten" Leitlinien zufolge "aufgrund der Daten keine eindeutige Bewertung zur Assoziation von HT und Ovarialkarzinom gemacht werden kann".

Viele publizierte Studien sind zu klein, um Veränderungen im Risiko für Eierstockkrebs entdecken zu können, oder untersuchen den Zusammenhang rückblickend und sind dadurch anfällig für systematische Verzerrungen.

Aus diesem Grund hat die Collaborative Group on Epidemiological Studies of Ovarian Cancer nun die Daten aus allen einschlägigen epidemiologischen Studien individuell analysiert und zusammengeführt (Lancet 2015, online 13. Februar).

Die Hauptanalyse wurde zur Vermeidung eines Bias beschränkt auf prospektive Studien, in denen Dauer und zeitlicher Abstand der HT erfasst worden waren. Nur in die Sensitivitätsanalysen wurden retrospektive Studien einbezogen.

Daten aus 17 prospektiven Studien

In den 17 prospektiven Untersuchungen waren 12.110 Teilnehmerinnen an Ovarial-Ca erkrankt, 55 Prozent von ihnen HT-Anwenderinnen. Frauen, die zu irgendeinem Zeitpunkt eine HT erhalten hatten, hatten damit ein um 20 Prozent höheres relatives Krebsrisiko als Frauen, die niemals damit behandelt worden waren.

Wurden die retrospektiven Studien (9378 Krebspatientinnen, davon 29 Prozent mit einer HT) mit berücksichtigt, war das relative Risiko ebenfalls signifikant erhöht, und zwar um 14 Prozent.

Am stärksten gefährdet waren Frauen, die gerade unter einer HT standen. Ihr Risiko lag - prospektiv untersucht - um 41 Prozent höher als das von Nie-Anwenderinnen. Es war selbst dann erhöht, wenn sie seit weniger als fünf Jahren Hormone anwendeten (+43 Prozent).

War die HT beendet, lag aber weniger als fünf Jahre zurück, blieb immer noch ein um 23 Prozent erhöhtes Risiko. Sogar Frauen, die die HT vor mehr als fünf Jahren (im Median vor zehn Jahren) abgesetzt hatten, hatten noch ein um zehn Prozent und damit signifikant erhöhtes Risiko.

Ähnliche, wenn auch etwas geringere Risikosteigerungen ergaben sich bei der gemeinsamen Auswertung von prospektiven und retrospektiven Studien.

Bei Frauen mit laufender oder vor Kurzem, also vor weniger als fünf Jahren, abgeschlossener HT fand sich in den prospektiven Studien eine um 37 Prozent erhöhte Ovarialkarzinomrate.

In den retrospektiven Untersuchungen waren diese Frauen dagegen nicht häufiger erkrankt - die Studiengruppe vermutet dahinter allerdings systematische Fehler in der Auswahl der Kontrollgruppen.

Art der HT war ohne Bedeutung

Ob die Frauen nur ein Östrogen oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination erhalten hatten, war für das Krebsrisiko weitgehend irrelevant: In den prospektiven Studien betrug die Risikosteigerung bei bestehender oder kürzlich beendeter HT so oder so 37 Prozent, in allen Studien zusammen lag sie bei 32 und 25 Prozent.

Entscheidend für den Einfluss der HT war allerdings die Tumorhistologie: Eine signifikante Risikozunahme ließ sich nur für die beiden häufigsten Typen, nämlich seröse und endometroide Ovarialkarzinome feststellen. Die Quote war bei Frauen mit laufender oder vor Kurzem abgeschlossener Behandlung um 53 bzw. 42 Prozent höher als bei Frauen ohne irgendeine HT.

Das Alter wiederum wirkte sich kaum auf den Zusammenhang zwischen HT und Eierstockkrebs aus. Bei Frauen, die vor 50 damit begonnen hatten, war das Risiko um 35 Prozent, bei Frauen mit Therapiestart zwischen 50 und 59 um 31 Prozent erhöht.

Überträgt man die in den prospektiven Studien ermittelten relativen Risiken auf die Inzidenz und Mortalität des Ovarialkarzinoms in England, ergeben sich folgende absolute Zahlen: Pro 1000 Frauen, die mit 50 eine HT beginnen und für fünf Jahre fortsetzen, ist mit einem zusätzlichen Ovarialkarzinom zu rechnen. Und von 1700 so behandelten Frauen würde eine mehr an dem Krebs sterben.

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