Ärzte Zeitung, 23.09.2015

Operative Refertilisierung

Wenig Erfolg bei älteren Frauen

Nicht wenige Frauen wollen nach einer Sterilisation doch noch ein Kind und lassen den Eingriff deshalb rückgängig machen. Bei etwa jeder Zweiten klappt das auch - die Erfolgsaussichten hängen aber vom Alter der Frau ab.

Von Veronika Schlimpert

Wenig Erfolg bei älteren Frauen

Liegt die operative Sterilisation schon lange zurück, ist der Erfolg einer Refertilisierung gering.

© Anna Gutmann / fotolia.com

CREWLEY / AUSTRALIEN. Nicht wenige Frauen äußern nach einer Sterilisation einen erneuten Kinderwunsch und lassen den Eingriff deshalb rückgängig machen.

Die Chancen, nach einer operativen Refertilisierung ein Kind zu gebären, stehen für ältere Frauen allerdings nicht so gut wie für jüngere, wie eine aktuelle Studie zeigt (Fertil Steril 2015, online 21. Juli).

Demnach hatten über 40-jährige Frauen nur noch eine 26%ige Chance, in den ersten fünf Jahren nach der operativen Tubenrekonstruktion ein Kind zu gebären, wohingegen die Erfolgsaussicht für Frauen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren bei 51 Prozent lag. Für ältere Frauen war die Chance also nur noch halb so groß.

Op-Methode nicht relevant

Entscheidend für die Erfolgsaussicht scheint aber auch der Zeitpunkt der Eileitersterilisation zu sein: Frauen, bei denen dieser Eingriff innerhalb der letzten acht Jahre unternommen worden war, gebaren signifikant häufiger Kinder als Frauen, deren Sterilisation länger als acht Jahre zurückgelegen hatte (52,2 Prozent versus 44,7 Prozent).

Auch war die Austragungsrate im Falle einer Postpartum-Sterilisation deutlich geringer als bei einer im Intervall (39,3 Prozent versus 52,1 Prozent).

Die Sterilisationsmethode - ob mit Clip oder unspezifischer Durchtrennung beziehungsweise Verschluss der Eileiter - schien hingegen keinen Einfluss auf die Erfolgsrate zu haben.

Für diese retrospektive Kohortenstudie wurden Daten von 1898 Frauen im Alter von 20 bis 44 Jahren aus dem australischen Bundesstaat Western Australia analysiert, die zwischen 1985 und 2009 eine vorausgegangene Tubensterilisation hatten operativ rückgängig machen lassen (per Minilaparotomie, Laparoskopie oder Tubenplastik).

Bis 2011 wurden 969 (51 Prozent) dieser Frauen auf natürlichem Wege schwanger und brachten ein Kind zur Welt.

Frühere Studien bestätigt

Diese Erfolgsquote würde mit der früherer Studien übereinstimmen, resümieren die Studienautoren um Eva Malacova von der University of Western Australia, allerdings sei sie niedriger als in einer aktuelleren Studie, die von Austragungsraten von 76 oder 72 Prozent berichtete (Moon HS et al. Hum Reprod 2012).

Ein möglicher Grund für diese Diskrepanz könnte nach Ansicht der Studienautoren die Auswahl der Sterilisations- und Refertilisierungsmethoden sein.

Während in dieser Untersuchung verschiedene Prozeduren berücksichtigt wurden, wurden die Teilnehmerinnen in der Studie von Moon und Kollegen immer mit derselben Methode behandelt.

Insgesamt seien Frauen mit erfolgreicher Refertilisierung im Schnitt ein Jahr jünger gewesen als Frauen, die ihre Fruchtbarkeit offenbar nicht mehr zurückerlangt haben, schreiben die Autoren um Malacova.

Sollte man ältere Frauen ab einem gewissen Alter also besser vor einer operativen Refertilisierung abraten? Auch im Hinblick auf die Kosten, die von den gesetzlichen Krankenkassen für diesen Eingriff nur in Ausnahmefällen übernommen werden, ist dies eine wichtige Frage.

Nach Glock und Kollegen (Fertil Steril 1996) ist eine Refertilisierung bei über 43-jährigen Frauen - wegen mangelnder Erfolgsaussichten in dieser Altersgruppe - nicht zu empfehlen.

Allerdings weisen die Autoren dieser Studie darauf hin, dass von den 41 Frauen, die im Alter zwischen 40 und 44 Jahren noch ein Kind gebaren, immerhin ein paar wenige bereits 43 oder 44 Jahre alt waren; bei über 45-jährigen Frauen (in dieser Studie nicht berücksichtigt) kam es dagegen zu keiner Entbindung.

Nach diesen Befunden könne man also von einer Erfolgsaussicht in puncto Refertilisierung bei Frauen bis zu einem Alter von 44 Jahren ausgehen, schlussfolgern die Studienautoren.

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