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Was tun?

Wenn die Fruchtblase vorzeitig platzt

Reißt bei Schwangeren die Fruchtblase vorzeitig, lautet die Frage: Sofort entbinden oder abwarten? Eine international besetzte Gruppe von Neonatologen und Gynäkologen glaubt die Antwort zu kennen.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Schützende Fruchtblase: Reißt sie, muss überlegt werden, ob entbunden oder abgewartet wird.

Schützende Fruchtblase: Reißt sie, muss überlegt werden, ob entbunden oder abgewartet wird.

© Sebastian Schreiter / Springer Verlag GmbH

SYDNEY. Wie im Fall eines vorzeitigen Blasensprungs zu verfahren ist, hängt vom Zeitpunkt ab. Es herrscht Einigkeit, dass bei einer Ruptur bis zur 30. Woche besser abgewartet werden sollte, sofern sich keine sonstigen Komplikationen einstellen.

Ist das Kind bereits voll ausgetragen, spricht die Nachweislage für eine umgehende Entbindung, weil sie das Infektionsrisiko für die Mutter senkt und keine Nachteile für ihr Baby zu erwarten sind.

Unklar ist, wie zu verfahren ist, wenn keiner der beiden Fälle vorliegt. Hier ist der eigentliche Geburtstermin zwar nicht mehr weit entfernt, doch ist der Fetus noch nicht voll ausgereift - und selbst bei geringer Unreife drohen dem Kind laut klinischen Daten kurz- und langfristig gesundheitliche Nachteile.

Abzuwägen ist dies gegen die Gefahren beispielsweise einer Plazentaablösung, einer aufsteigenden Infektion und eines Nabelschnurvorfalls.

65 Zentren in elf Ländern

In der groß angelegten Studie "Preterm Prelabour Rupture Of Membranes near Term" (PPROMT) hat ein Team von Medizinern aus elf Ländern und 65 Zentren nun randomisiert und kontrolliert untersucht, welche Strategie - Entbinden oder Abwarten - für Schwangere und ihre Kinder bei vorzeitig gesprungener Fruchtblase in der 34. bis zur 36. Woche plus sechs Tage die besseren Ergebnisse liefert (Lancet 2015, online 9. November).

Mehr als 1800 mit Einlingen Schwangere ohne Zeichen einer Infektion oder anderer Komplikationen wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen verteilt. Gut 900 Frauen wurden der sofortigen Entbindung zugeteilt, bei gut 900 Schwangeren wartete man bis zur Spontangeburt ab, sofern sich keine andere Indikation ergab.

Die Rate an Neonatalsepsis - primärer Studienendpunkt - unterschied sich in beiden Gruppen nicht signifikant (3 Prozent unter Abwarten, 2 Prozent bei Entbindung). Auch im sekundären Gesamtendpunkt (Sepsis, Beatmungspflicht über mindestens 24 Stunden, Totgeburt oder Tod des Neugeborenen) war die Differenz von 7 zu 8 Prozent belanglos.

Länger auf der Intensivstation

Indessen gab es bedeutende Unterschiede in der Rate von Atemnotsyndrom (5 Prozent unter Abwarten vs. 8 Prozent bei Entbindung), maschineller Beatmung (9 vs. 12 Prozent). Zudem lagen die sofort entbundenen Kinder durchschnittlich länger auf der Neugeborenen-Intensivstation (2 vs. 4 Tage).

Auf der anderen Seite ereigneten sich unter abwartender Haltung mehr ante- oder intrapartale Blutungen (5 vs. 3 Prozent), die Mütter bekamen häufiger Fieber (2 vs. 1 Prozent) und mussten länger im Krankenhaus bleiben (6 vs. 5 Tage) - letzteres aber vor allem deshalb, weil das Abwarten meist im Klinikbett stattfand.

Unabhängig von der Vorgehensweise kamen in beiden Gruppen fast alle Kinder vor der 38. Woche zur Welt. Folgt man den Ergebnissen der PPROMT-Studie, hat das Abwarten nach vorzeitigem Blasensprung nahe dem Geburtstermin dennoch in der Summe mehr Vor- als Nachteile, jedenfalls für die Kinder.

Blutungsrisiko und Entwicklung von Fieber überwachen!

Es gibt weniger Komplikationen, ohne dass die Sepsisgefahr stiege. "Deshalb empfehlen wir, entgegen den Empfehlungen in Leitlinien, besser abzuwarten als eine sofortige Entbindung einzuleiten", schreiben die von Jonathan Morris (Sydney) angeführten PPROMT-Forscher.

Allerdings müssten die Frauen mit Blick auf das Blutungsrisiko und die Entwicklung von Fieber gut überwacht werden. Auch seien die Nachteile des Abwartens bei der Planung des Vorgehens zu besprechen.

Die PPROMT-Ergebnisse stellen auch die früheren, derzeit in Überarbeitung befindlichen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe infrage.

Dort heißt es, bei vorzeitigem Blasensprung nach der 34. Schwangerschaftswoche sei die Geburt nach 12-24 Stunden einzuleiten, falls bis dahin keine spontanen Wehen eingesetzt hätten - und zwar auch dann, wenn keine Anzeichen für ein Amnioninfektionssyndrom vorlägen.

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