Ärzte Zeitung, 03.12.2008

Kommentar

Die leichte Last der verlorenen Lust

Von Angela Speth

Liebe ist eine tolle Krankheit - da müssen gleich zwei ins Bett. Dreht man das Bonmot des Was-bin-ich-Experten Robert Lembke um, wäre Nicht-Liebe, sprich sexuelle Unlust, eine Gesundheit, bei der gleich zwei aufbleiben dürfen. Fragt sich nur, ob das ebenfalls toll ist?

Lembke, zu Lebzeiten eventuell gern bettlägeriger Patient in seinem Sinne, impliziert ein solches Wohlergehen als mies, aufgeweckte Frauen zergrübeln sich deshalb aber nicht die Nächte. Also wäre Lustlosigkeit immerhin Gesundheit, denn Seelenschmerz wird als diagnostisches Kriterium für sexuelle Störungen gefordert.

Wie aber lässt sich erklären, dass Frau Probleme hat, die ihr keine Probleme bereiten? Doch nur mit der gefühlten Abweichung von einer vermeintlichen Norm: Wenn alle nur an das Eine denken, muss jemand, dem anderes im Kopf herumschwirrt, das beunruhigen. Verständlich wäre unter dieser Prämisse eine weitere Diskrepanz: dass am häufigsten alte Frauen Unlust empfinden, das aber am lockersten wegstecken. Warum, ist ja klar: weil der gesellschaftliche Verhaltenskodex ihnen Enthaltsamkeit zugesteht - geringer Leistungsdruck, geringer Leidensdruck. Bei Männern nehmen sexuelle Störungen nach Studien mit dem Alter gleichfalls zu.

Na prima - dann scheint viele Männer und Frauen im Rosenkrieg der Geschlechter wenigstens etwas zu vereinigen, nämlich die Devise: Stell dir vor, es ist Sex, und keiner geht hin.

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Kein Problem mit null Bock im Bett

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