Ärzte Zeitung, 02.03.2015

Menopause

Wechseljahrs-Beschwerden dauern länger als gedacht

Hitzewallungen und Schweißausbrüche setzen vielen Frauen vor, während und nach der Menopause zu. Für die Beratung wäre es wichtig zu wissen, wie lange die Symptome anhalten. Länger als oft angenommen, haben US-Forscher jetzt ausgerechnet.

Von Veronika Schlimpert

Wechseljahrs-Beschwerden dauern länger als gedacht

Hitzewallungen können länger als zehn Jahre auftreten.

© brankatekic / fotolia.com

WINSTON-SALEM. Wohl jede Frau hofft auf möglichst wenige und kurz anhaltende Wechseljahresbeschwerden. Doch mit welcher ungefähren Beschwerdedauer ist eigentlich zu rechnen?

Die Angaben in der Literatur schwanken: Die US-amerikanische gynäkologische Fachgesellschaft "American College of Obstetricians and Gynecologists" spricht von einer durchschnittlichen Dauer von sechs Monaten bis zu zwei Jahren, die Schätzungen epidemiologischer Studien reichen hingegen von fünf bis 13 Jahren.

Präzisere Angaben wären wünschenswert, um Frauen auf die Menopause vorbereiten zu können.

1449 Frauen befragt

Eine genauere Vorhersage der Dauer klimakterischer vasomotorischer Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche liefert nun die SWAN-Studie (Study of Women`s Health Across the Nation).

Hier wurden 1449 Frauen im Alter zwischen 42 und 52 Jahren an 13 verschiedenen Terminen während einer Beobachtungszeit von im Mittel 12,7 und maximal 17,2 Jahren unter anderem zu Häufigkeit und Schwere klimakterischer Beschwerden, psychologischen Symptomen und zum physischen Allgemeinzustand befragt (JAMA Intern Med 2015, online 16. Februar).

Dabei stellte sich heraus, dass Frauen, die bereits über vasomotorische Symptome in der Prämenopause oder frühen Perimenopause berichtet hatten, diese Beschwerden am längsten erdulden mussten, nämlich im Mittel 11,8 Jahre beziehungsweise 9,4 Jahre von der letzten Regelblutung an gerechnet.

Dagegen dauerten die vasomotorischen Wechseljahresbeschwerden am kürzesten (3,4 Jahre), wenn sie erst in der Postmenopause eingesetzt hatten.

Insgesamt hatten die Teilnehmerinnen im Durchschnitt 7,4 Jahre lang mit Hitzewallungen und Co zu kämpfen; nach der letzten Regelblutung vergingen durchschnittlich 4,5 Jahre, bis die Beschwerden wieder verschwanden.

Symptombeginn als Prädiktor

Mehr als die Hälfte der Frauen habe in dieser Studie regelmäßig an vasomotorischen Beschwerden gelitten, schreiben die Studienautoren um Nancy Avis von der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem.

Als wichtigster Prädiktor für eine lange Beschwerdedauer habe sich der frühzeitige Symptombeginn herausgestellt. Die Leitlinien würden die tatsächliche Dauer klimakterischer Beschwerden allerdings unterschätzen, merken Avis und Kollegen an.

Die nunmehr festgestellte durchschnittliche Zeitspanne von 7,4 Jahren verdeutliche, dass die Empfehlungen hinsichtlich einer möglichst kurzen Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause nur eingeschränkt umgesetzt werden könnten.

Deshalb sei es wichtig, nach neuen Therapien zu suchen, die auch über längere Zeit sicher angewendet werden könnten.

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