Ärzte Zeitung online, 12.09.2016

Hitzewallungen

Welchen Effekt haben Phytoöstrogene?

Gegen Beschwerden nach der Menopause vertrauen viele Frauen auf pflanzliche Präparate. In einer Metaanalyse von mehr als 60 Studien wurde deren Wirkung überprüft.

Von Robert Bublak

Welchen Effekt haben Phytoöstrogene?

Bis zu 80 Prozent der Frauen haben Wechseljahrbeschwerden.

© Contributor/Getty Images/iStockphoto

ROTTERDAM. Fliegende Hitze und Nachtschweiß sind Symptome, die Frauen in der Zeit um die Menopause herum und danach zu schaffen machen können. Der in Studien ermittelte Anteil Betroffener liegt zwischen 50 und 80 Prozent.

Auch eine trockene Scheide kann erhebliche Beschwerden verursachen. Gegen all diese Probleme würde eine Hormonersatztherapie helfen. Doch die steht in Misskredit, seit sie mit erhöhtem Krebsrisiko und kardiovaskulären Komplikationen in Verbindung gebracht wird.

Eine große Zahl von Frauen - manchen Erhebungen zufolge bis zu 50 Prozent - setzt daher gegen die Unbilden der Postmenopause auf Komplementärmedizin. Im Vordergrund steht dabei die Einnahme von Phytoöstrogenen wie Isoflavonen aus Soja oder Sojaextrakten.

Auch Mittel aus Wiesenklee und Traubensilberkerze gelten als wirksam. Und selbstverständlich gehört auch die chinesische Kräutermedizin zum Sortiment.

62 Studien unter der Lupe

Deutlich kleiner als die Palette von Produkten für Frauen nach der Menopause ist das Angebot an fundierten medizinisch-wissenschaftlichen Wirknachweisen.

Oscar Franco von der Erasmus-Universität Rotterdam hat zusammen mit Kollegen im Zuge einer Metaanalyse 62 Studien zum Einsatz von pflanzlichen Präparaten gegen postmenopausale Beschwerden gesichtet.

Dabei verzeichneten die Forscher durchaus Effekte, wenn sich deren Ausmaß auch in Grenzen hielt (JAMA 2016; 315: 2554-2563).

Phytoöstrogene waren mit einer Verminderung der Häufigkeit von Hitzewallungen assoziiert; gegenüber Placebo verringerten sie die Zahl signifikant, und zwar im Durchschnitt um täglich 1,3 Attacken.

Auch die vaginale Trockenheit besserte sich, verglichen mit Placebo, im Schnitt um 0,3 Punkte auf einer Skala von 0 bis 3 (höchster Schweregrad). Keinen Einfluss hatten Phytoöstrogene auf die Beschwerden durch Nachtschweiß.

Wiesenklee und Traubensilberkerze

Was den Ursprung der Phytoöstrogene betraf, bestätigten Soja-Isoflavone im Wesentlichen die Ergebnisse der gepoolten Analyse.

Andere Phytoöstrogenquellen wie Wiesenklee und Traubensilberkerze besserten in manchen Studien die vasomotorischen Symptome, in anderen nicht. Rhapontik-Rhabarber war in einer Studie insofern erfolgreich, als er die Frequenz von Hitzewallungen senkte.

Grundsätzlich ging die Tendenz bei pflanzlichen Mitteln in die Richtung einer Linderung der vasomotorischen Beschwerden. Eine Ausnahme bildeten Heilkräuter aus der chinesischen Medizin. Die Studien hierzu ergaben Widersprüchliches, im Allgemeinen war kein Einfluss auf die postmenopausale Symptomatik festzustellen.

Die Einnahme gemischter und spezifischer Phytoöstrogene sei tatsächlich mit einer mäßig reduzierten Häufigkeit von Hitzewallungen und einer besseren Befeuchtung der Vagina verbunden, bilanzieren Franco und Mitarbeiter die Ergebnisse ihrer Analyse.

Allerdings sei die Qualität der untersuchten Studien nicht optimal gewesen. Speziell monieren die Forscher, dass Daten zu den Nebenwirkungen einer langfristigen Behandlung mit solchen Präparaten fehlten. Da die Phytoöstrogene ja östrogenartig wirkten, seien auch unerwünschte Effekte wie eine endometriale Hyperplasie denkbar.

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