Ärzte Zeitung, 09.02.2005

Kalzimimetikum bessert vier Zielwerte auf einen Streich

Chronische Niereninsuffizienz hat sekundären Hyperparathyreoidismus zur Folge / Mit neuem Wirkstoff weniger Knochenfrakturen

MÜNCHEN (wst). Bei chronisch niereninsuffizienten Patienten mit sekundärem Hyperparathyreoidismus (sHPT) muß man Serumkalzium, -phosphat, das Kalzium-Phosphat-Produkt sowie Parathormon in den Griff bekommen, um Komplikationen zu verhüten. Mit einem neuartigen Kalzimimetikum gelingt das bei weit mehr Patienten als bislang.

Zur Dialyse-Therapie gehört immer, Komplikationen durch Hyperparathyreoidismus vorzubeugen. Foto: Klaro

Die US-amerikanische National Kidney Foundation hat zusammen mit europäischen Nephrologen neue Leitlinien zur Therapie bei sHPT erstellt. Danach sind für intaktes Parathormon (iPTH) Serumspiegel zwischen 150 bis 300 pg / ml anzustreben. Zugleich liegt der Sollwert für Kalzium bei 2,1 bis 2,37 mmol / l, für Phosphat bei 1,13 bis 1,78 mmol / l und das Kalzium-Phosphat-Produkt sollte unter 4,4 mmol2 / l2 liegen. Das berichtete Professor Helmut Reichel vom Nephrologischen Zentrum Villingen-Schwenningen auf einer Veranstaltung von Amgen in München.

Mit der herkömmlichen konservativen Therapie, bestehend aus Diät sowie der Einnahme von Vitamin D und Phosphatbindern, seien diese Zielwerte jedoch nur bei einem kleinen Teil der Patienten erreichbar, sagte Reichel. So erlangten in einer Studie mit 4000 chronisch Nierenkranken mit sHPT nur 27 Prozent der Probanden ein iPTH im Zielbereich. Gar alle vier Parameter im Zielbereich hatten nur acht Prozent.

Mit dem seit Dezember 2004 auch in Deutschland verfügbaren Kalzimimetikum Cinacalcet (Mimpara®) läßt sich diese Situation deutlich verbessern (wie berichtet). Reichel verwies etwa auf die Ergebnisse aus drei identisch gestalteten randomisierten Studien mit insgesamt 1136 Patienten, die iPTH über 300 pg / l hatten.

Die Patienten erhielten zusätzlich zu einer herkömmlichen Therapie entweder Placebo oder Cinacalcet. Nach 26 Wochen hatten 56 Prozent der Patienten mit Verum den Zielbereich für iPTH erreicht, mit Placebo zehn Prozent. Die angestrebten Kalziumwerte erreichten 49 im Vergleich zu 24 Prozent, bei Phosphat 46 Prozent verglichen mit 33 Prozent; beim Kalzium-Phosphat-Produkt waren es 65 Prozent in der Verumgruppe im Vergleich zu 36 Prozent in der Placebogruppe.

Daß sich der Vorteil durch Cinacalcet nicht auf Serumkosmetik beschränkt, belegen Untersuchungen an 1184 Patienten. Die Addition des neuartigen Kalzimimetikums zur herkömmlichen Therapie führte bereits nach sechs bis zwölf Monaten zu einer Reduktion der Knochenfrakturen um 54 Prozent und zur Abnahme notwendiger Parathyreoidektomien um 93 Prozent.

STICHWORT

Parathormon

Parathormon (PTH), das Proteohormon der Nebenschilddrüse, ist eine Polypeptidkette mit 84 Aminosäuren. Physiologisch stimuliert es die Kalzium- und Phosphatresorption aus dem Hydroxylapatit des Knochens und die Synthese des aktiven Vitamin D in der Niere. Dadurch steigt die Kalzium-Konzentration im Serum, und das dabei freigesetzte Phosphat wird renal ausgeschieden. Produktion und Freisetzung von Parathormon werden über die Kalzium-Ionen-Konzentration durch negative Rückkoppelung reguliert.

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