Direkt zum Inhaltsbereich

Endoskopische Schilddrüsen-Op ohne Schnitt am Hals

BERLIN (ner). Eine neue minimal-invasive Methode für Schilddrüsen-Operationen ist an der Helios-Klinik in Berlin-Buch eingeführt worden. Chefarzt Dr. Eckhard Bärlehner geht mit seinen endoskopischen Instrumenten am Rand der Brustwarzen ein. Die Erfahrungen mit der Methode sind aber noch begrenzt.

Veröffentlicht:

Durch zwei etwa 5 mm lange Schnitte an beiden Brustwarzen führt Bärlehner die Kamera sowie die endoskopischen Instrumente zwischen Haut und Unterhautfettgewebe zum Hals. Wie bei laparoskopischen Operationen im Abdomen bläst er das Operationsfeld mit Kohlendioxid auf, um die Organe auseinanderzudrängen und die Sicht zu verbessern.

Die Optik liefere zudem ein etwa siebenfach vergrößertes Bild auf dem Monitor, sagte Bärlehners Mitarbeiter Privatdozent Tahar Benhidjeb zur "Ärzte Zeitung". Über einen dritten Zugang in der rechten Achselhöhle wird das resezierte Schilddrüsengewebe entfernt. Der Hautschnitt ist je nach Bedarf 1 bis 2 cm lang.

Eventuell muß Knotendignität mit Punktion geklärt werden

Diese minimal-invasive Operationsmethode kommt für Patienten in Frage, die kalte, maximal 30 mm große Schilddrüsenknoten haben. Die Knoten müssen gutartig sein. Im Zweifelsfall werde die Dignität vor dem Eingriff per Punktion geklärt, so Benhidjeb.

Einige Patienten sind schon nach dem Verfahren operiert worden. Die Operationszeit betrug bei der ersten Patientin vier Stunden, bei der dritten zum Beispiel schon nur noch zweieinhalb Stunden.

Benhidjeb ist überzeugt, daß sich mit zunehmender Erfahrung die Operationszeit weiter verkürzen wird. Wie bei jedem Schilddrüsen-Eingriff bestehe potentiell ein Blutungsrisiko sowie die Gefahr einer Rekurrenzparese oder Hypokalziämie, wenn die Nebenschilddrüsen mitentfernt werden. Diese Risiken könnten durch eine sorgfältige Präparationstechnik vermieden werden.

Manche Schilddrüsen-Chirurgen stehen der aus Japan stammenden Methode kritisch gegenüber, etwa Dr. Christian Vorländer vom Bürgerhospital in Frankfurt am Main. Solche endoskopischen Operationen seien mit einem "extremen apparativem Aufwand" verbunden. Vorländer hält es für fraglich, ob angesichts des rein kosmetischen Vorteils dieser Aufwand und die erheblich verlängerte Operations-Zeit gerechtfertigt sei.

Vorländer favorisiert die in Deutschland zunehmend verbreitete minimal-invasive Miccoli-Operation, ein kombiniert offen-endoskopisches Verfahren, das die Berliner ebenfalls anbieten.

Die Miccoli-Op ist eine offen-endoskopische Operation

Bei der Miccoli-Op wird im Jugulum ein 2 bis 3 cm langer Hautschnitt quer gemacht. Das Endoskop dient vor allem der Darstellung des Stimmbandnerven. Die durchschnittliche Op-Zeit betrage in Frankfurt, wo bis 15 Prozent aller Schilddrüsen-Operationen wegen kalter Knoten minimal-invasiv ausgeführt werden, bei beidseitiger Operation 82 Minuten. In geübter Hand sei die Miccoli-Methode ebenso sicher wie die klassische offene Op, sagt Vorländer mit Verweis auf veröffentlichte Daten von mehr als 1000 Patienten.

Benhidjeb bezeichnet die rein endoskopische Operation als "Quantensprung". Seit 100 Jahren habe es kaum wesentliche Fortschritte in der Schilddrüsen-Chirurgie gegeben. "Der kosmetische Vorteil ist für eine junge Frau unbezahlbar!" Die Helios-Klinik in Berlin-Buch ist nach seinen Angaben die deutschlandweit einzige Klinik, die diese Operation anbietet.

Mehr zum Thema

Hyperthyreose

Studie: Erhöhtes Brustkrebsrisiko durch Radiojodtherapie?

Ernährungsberatung

Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Von ungefährlich bis akut lebensbedrohlich

Leitsymptom Dyspnoe: So geht’s rasch zur richtigen Diagnose

Primäre und sekundäre Formen

Immundefekte erkennen: So klappt’s in der Praxis

Lesetipps
Seltene Erkrankungen haben ihren Namen nicht umsonst. Zählt man sie jedoch alle zusammen, so sind es etwa 8.000 Erkrankungen mit rund 4 Millionen Betroffenen in Deutschland.

© Orawan / stock.adobe.com

Oft langer Weg bis zur Diagnose

Wie Sie Patienten mit seltenen Erkrankungen früher erkennen

Eine Frau sitzt im bett und hustet.

© Sonja Monstein / stock.adobe.com

Fehlerhaftes Immunsystem

So unterscheiden sich primäre und sekundäre Immundefekte