Ärzte Zeitung, 08.09.2005

Endoskopische Schilddrüsen-Op ohne Schnitt am Hals

Neue minimal-invasive Methode in Berlin-Buch angeboten / Schilddrüsen-Knoten dürfen nicht größer als 3 cm und müssen gutartig sein

BERLIN (ner). Eine neue minimal-invasive Methode für Schilddrüsen-Operationen ist an der Helios-Klinik in Berlin-Buch eingeführt worden. Chefarzt Dr. Eckhard Bärlehner geht mit seinen endoskopischen Instrumenten am Rand der Brustwarzen ein. Die Erfahrungen mit der Methode sind aber noch begrenzt.

Rein endoskopische Op: Instrumente werden durch Mamillen-Schnitte zur Schilddrüse geschoben, Gewebe durch die Achsel entfernt. Foto: Helios-Klinik Berlin-Buch

Durch zwei etwa 5 mm lange Schnitte an beiden Brustwarzen führt Bärlehner die Kamera sowie die endoskopischen Instrumente zwischen Haut und Unterhautfettgewebe zum Hals. Wie bei laparoskopischen Operationen im Abdomen bläst er das Operationsfeld mit Kohlendioxid auf, um die Organe auseinanderzudrängen und die Sicht zu verbessern.

Die Optik liefere zudem ein etwa siebenfach vergrößertes Bild auf dem Monitor, sagte Bärlehners Mitarbeiter Privatdozent Tahar Benhidjeb zur "Ärzte Zeitung". Über einen dritten Zugang in der rechten Achselhöhle wird das resezierte Schilddrüsengewebe entfernt. Der Hautschnitt ist je nach Bedarf 1 bis 2 cm lang.

Eventuell muß Knotendignität mit Punktion geklärt werden

Diese minimal-invasive Operationsmethode kommt für Patienten in Frage, die kalte, maximal 30 mm große Schilddrüsenknoten haben. Die Knoten müssen gutartig sein. Im Zweifelsfall werde die Dignität vor dem Eingriff per Punktion geklärt, so Benhidjeb.

Einige Patienten sind schon nach dem Verfahren operiert worden. Die Operationszeit betrug bei der ersten Patientin vier Stunden, bei der dritten zum Beispiel schon nur noch zweieinhalb Stunden.

Benhidjeb ist überzeugt, daß sich mit zunehmender Erfahrung die Operationszeit weiter verkürzen wird. Wie bei jedem Schilddrüsen-Eingriff bestehe potentiell ein Blutungsrisiko sowie die Gefahr einer Rekurrenzparese oder Hypokalziämie, wenn die Nebenschilddrüsen mitentfernt werden. Diese Risiken könnten durch eine sorgfältige Präparationstechnik vermieden werden.

Manche Schilddrüsen-Chirurgen stehen der aus Japan stammenden Methode kritisch gegenüber, etwa Dr. Christian Vorländer vom Bürgerhospital in Frankfurt am Main. Solche endoskopischen Operationen seien mit einem "extremen apparativem Aufwand" verbunden. Vorländer hält es für fraglich, ob angesichts des rein kosmetischen Vorteils dieser Aufwand und die erheblich verlängerte Operations-Zeit gerechtfertigt sei.

Vorländer favorisiert die in Deutschland zunehmend verbreitete minimal-invasive Miccoli-Operation, ein kombiniert offen-endoskopisches Verfahren, das die Berliner ebenfalls anbieten.

Die Miccoli-Op ist eine offen-endoskopische Operation

Bei der Miccoli-Op wird im Jugulum ein 2 bis 3 cm langer Hautschnitt quer gemacht. Das Endoskop dient vor allem der Darstellung des Stimmbandnerven. Die durchschnittliche Op-Zeit betrage in Frankfurt, wo bis 15 Prozent aller Schilddrüsen-Operationen wegen kalter Knoten minimal-invasiv ausgeführt werden, bei beidseitiger Operation 82 Minuten. In geübter Hand sei die Miccoli-Methode ebenso sicher wie die klassische offene Op, sagt Vorländer mit Verweis auf veröffentlichte Daten von mehr als 1000 Patienten.

Benhidjeb bezeichnet die rein endoskopische Operation als "Quantensprung". Seit 100 Jahren habe es kaum wesentliche Fortschritte in der Schilddrüsen-Chirurgie gegeben. "Der kosmetische Vorteil ist für eine junge Frau unbezahlbar!" Die Helios-Klinik in Berlin-Buch ist nach seinen Angaben die deutschlandweit einzige Klinik, die diese Operation anbietet.

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