Ärzte Zeitung, 25.05.2005

Solitäre Schilddrüsen-Knoten sind immer einen zweiten Blick wert

Erhöhtes Malignomrisiko haben vor allem Junge und Ältere mit einem Einzelknoten

WIESBADEN (hbr). Ein Patient kommt mit einer Struma in die Praxis. Die Stoffwechsellage ist euthyreot, TSH und periphere Hormone sind also normal. Beim Schlucken und beim Abtasten der Schilddrüsenregion bemerkt der Kollege aber eine knotige Veränderung. Was jetzt? Welche Bedeutung hat der Knoten?

Schilddrüsen-Sonographie bei einer jungen Frau. Beurteilt werden Größe der Drüse und eventuelle Knoten. Foto: Klaro

Malignomverdächtig sind deutlich hervortretende Knoten, Solitärknoten - vor allem in normalgroßen Schilddrüsen - und Knoten mit höckeriger Oberfläche, sagt Privatdozent Harald Rau von der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden. Auch vergrößerte regionale Lymphknoten sollten stutzig machen. Und Verwachsungen mit der Umgebung weisen auf ein bereits fortgeschrittenes Tumorstadium hin.

"Auch derbe Knoten, die sonographisch nicht größeren Verkalkungen entsprechen, sind suspekt. Allerdings haben 20 Prozent der Karzinome bei der Palpation eine normale Konsistenz", so Rau beim Wiesbadener Schilddrüsen-Symposium.

Die sonographische Bewertung ist schwierig: "Malignitätsbeweisend ist nur die Infiltration des perithyroidalen Gewebes oder eine Metastasierung in die Lymphknoten." Echoarme Knoten sind zwar meist gutartig. Sie erfordern aber trotzdem Aufmerksamkeit, denn über 90 Prozent der Karzinome präsentieren sich so. Kommt ein unregelmäßiger Rand bei vermehrter Binnenperfusion dazu, bedeutet das Alarm.

Kleine Verkalkungen sind wenig richtungsweisend, weil sie in fast allen größeren Strumen und auch in benignen Knoten vorkommen. Ausnahme: eierschalenartige Verkalkungen am Knotenrand, die komplett herumgehen. Das sei immer gutartig, so Rau bei der von Merck Pharma geförderten Veranstaltung.

In der Szintigraphie werden unter anderem autonome Knoten identifiziert und ihre Stoffwechselrelevanz beurteilen. Haben Knoten einen Durchmesser unter 2 cm, sei eine Suppressionszintigraphie meist aussagekräftiger als eine Standardszintigraphie.

Die Hälfte der echoarmen Knoten stellen sich szintigraphisch als autonome Adenome heraus, und Betroffene können beruhigt werden: Autonome Adenome wachsen zwar und führen vielleicht irgendwann einmal zur Überfunktion. Aber eine Malignität sei praktisch ausgeschlossen, so der Nuklearmediziner.

Szintigraphisch kalte Knoten werden punktiert. Ist die Zytologie unverdächtig, kann regelmäßig kontrolliert werden. Für den anderen Fall empfiehlt Rau die operative Klärung.

STICHWORT

Schilddrüsenkrebs

Jährlich erkranken 2500 bis 3000 Menschen neu an Schilddrüsenkrebs. 90 Prozent der Karzinome sind gut differenzierte papilläre oder fokale Tumoren mit guter Prognose. Bei solitären Knoten ist besondere Vorsicht angebracht: Zwischen zehn und 30 Prozent sind maligne. Ein besonders hohes Karzinomrisiko haben Patienten unter 20 Jahren oder über 60 mit solitären Knoten.

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