Ärzte Zeitung, 04.08.2005

Skalpell für große Kröpfe und unklare Knoten

Op bei Malignomverdacht, Struma-Wachstum oder Trachea-Kompression / Bei kleinen Knoten geht’s minimal-invasiv

WIESBADEN (hbr). Etwa 100 000 Schilddrüsen-Operationen werden pro Jahr in Deutschland gemacht. Wann muß operiert werden, wann kann die Operation minimal-invasiv erfolgen und wann muß die ganze Schilddrüse raus?

Schilddrüsen-Szintigraphie bei Knotenkropf: Die Schilddrüse ist deutlich vergrößert, vor allem der rechte Lappen. Foto: Moser / Freiburg

Indiziert ist eine Operation etwa bei euthyreoter Knotenstruma, bei Malignomverdacht oder klarer Malignität und bei Knoten, deren Dignität trotz einer Punktion unklar bleibt.

Und natürlich, wenn Speise- oder Luftröhre komprimiert sind, so Professor Dietmar Simon vom Evangelischen Krankenhaus Bethesda in Duisburg. Aber auch bei subjektiven Beschwerden wie Globusgefühl, kalte Knoten ohne Malignitätsverdacht, Struma-Wachstum oder mediastinaler Ausdehnung einer Struma kann eine Operation indiziert sein.

Bei blanden Knoten wird eine gründliche Entfernung, möglichst mit Erhalt der Schilddrüsenfunktion, angestrebt. Bei kalten Knoten und Malignomverdacht wird der betroffene Schilddrüsenlappen komplett entfernt und dann eine Schnellschnitt-Untersuchung gemacht.

Bestätigt sich dabei der Karzinom-Verdacht, erfolgt fast immer die Thyreoid-Ektomie. Ausnahmen sind Mikrokarzinome und papilläre Karzinome mit einem Durchmesser von weniger als einem Zentimeter. Bei ihnen gilt die Entfernung des betroffenen Lappens als ausreichend.

Jedes zweite Schilddrüsen-Karzinom wird erst nach der Operation entdeckt, so Simon bei dem von Merck Pharma unterstützten Wiesbadener Schilddrüsen-Symposium. Die Gründe: Bei Schnellschnitt-Untersuchungen kann nicht das ganze entnommene Schilddrüsen-Gewebe systematisch untersucht werden. Und nicht überall können Schnellschnitt-Untersuchungen gemacht werden. Das Problem bei einem Zweiteingriff: Das Risiko zum Beispiel für eine Rekurrenzparese steigt.

Ein minimal-invasiver, videogestützter Eingriff kommt vor allem bei einseitigen Befunden in Betracht. Er hinterläßt nur etwa 2 cm lange Narben. Die Knoten sollten aber nicht größer als 3 cm, das Lappenvolumen nicht größer als 20 ml sein.

Meistens erfolgt der Eingriff über einen Schnitt in der Fossa jugularis. Manche Ärzte operieren aber auch von der Achselhöhle aus oder von einem kleinen Einschnitt an einer Mamille.

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