Ärzte Zeitung, 31.05.2006

Spezialisten raten Kollegen: Ran an den Hals, den Patienten zuliebe!

Jeder vierte Erwachsene hat Knoten in der Schilddrüse / Studie bei 3000 Hausärzten

GRÜNWALD (sto). Bei jeder Gesundheitsuntersuchung sollte auch die Schilddrüse palpiert werden, empfehlen Spezialisten. Der Grund: Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat krankhafte Veränderungen der Schilddrüse; jeder vierte hat Knoten in der Schilddrüse.

Die Palpation der Schilddrüse ist eine einfache und kostengünstige Untersuchungsmethode, die sich gut zu einer ersten Orientierung eignet. Foto: klaro

Die Palpation ist eine einfache und kostengünstige Untersuchungsmethode. Daran erinnerte Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Städtischen Klinikum München-Bogenhausen zur Schilddrüsenwoche Papillon 2006, die im April stattfand. Durch die Tastuntersuchung, die von vorne oder von hinten bei stehenden oder sitzenden Patienten erfolgt, können Knoten mit einem Durchmesser von mehr als einem Zentimeter getastet werden.

Bei einem auffälligen Befund seien eine Sonographie und gegebenenfalls eine Prüfung der Schilddrüsenfunktion durch Bestimmung des TSH-Spiegels indiziert, sagte Schumm-Draeger bei den Grünwalder Gesprächen, die von Sanofi-Aventis (Henning) unterstützt wurden. Ziel sei es, Struma-Patienten möglichst früh zu erkennen, damit Operationen vermieden werden.

Um zu erfahren, inwieweit die Möglichkeiten einer medikamentösen Therapie bei Patienten mit gesicherter Struma diffusa und nodosa tatsächlich ausgeschöpft werden, fand vor zwei Jahren bei mehr als 3000 Hausärzten eine epidemiologische Untersuchung (Papillon 3) statt.

Wie berichtet, ergab die Untersuchung, daß nur 28 Prozent der Patienten mit der empfohlenen Kombination aus L-Thyroxin und Jod behandelt wurden, berichtete Schumm-Draeger. 62 Prozent erhielten lediglich L-Thyroxin als Monotherapie.

Von den Patienten, die eine L-Thyroxin-haltige Therapie erhielten, lagen nur 41 Prozent im empfohlenen niedrig normalen TSH-Zielbereich zwischen 0,3 und 1,2 mU/l, sagte die Endokrinologin. Bei fast einem Viertel der Patienten lag der TSH-Wert im pathologischen Bereich: 18 Prozent hatten einen TSH-Wert von unter 0,3 mU/l.

Bei solchen Patienten sei die L-Thyroxin-Dosierung zu hoch gewählt, oder es wurde eine klinisch relevante Schilddrüsenautonomie übersehen, erläuterte Schumm-Draeger. 5,4 Prozent der Patienten hatten einen TSH-Wert oberhalb von 4 mU/l. Damit hatten sie trotz einer Schilddrüsen-Hormontherapie eine subklinische Hypothyreose.

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