Ärzte Zeitung, 16.02.2007

Menschen bei uns sind inzwischen recht gut mit Jod versorgt

Vor Jodüberdosierung durch übliche Nahrung braucht sich niemand zu fürchten / Algenhaltige Speisen können nicht jedem empfohlen werden

FALKENSTEIN (gwa). Keine Angst vor Jodsalz und Co, sagen Spezialisten. Bis 300 µg Jodaufnahme pro Tag sind medizinisch unbedenklich.

Deutschland ist dank konsequenter Verwendung etwa von Jodsalz nach WHO-Definition kein Jodmangelgebiet mehr. Vor 1990 lag die durchschnittliche tägliche Jodaufnahme noch unter 100 µg, aber über 25 µg (Jodmangel Grad I bis II). Inzwischen nehmen Erwachsene durchschnittlich 110 µg Jod täglich über Speisen und Getränke auf, ergab das bundesweite Jodmonitoring 1996. Darauf wies Professor Rainer Hehrmann aus Stuttgart bei einer Veranstaltung in Falkenstein hin. Auch die Jodversorgung Neugeborener ist besser geworden. Und aus neueren regionalen Untersuchungen weiß man, dass die Jodzufuhr bei Schulkindern jetzt meist ausreichend ist.

Besteht nun nicht die Gefahr, dass die Bevölkerung allgemein zuviel Jod bekommt mit der Gefahr einer Jodüberdosierung? Nein, sagte Hehrmann bei der von Sanofi-Aventis ausgerichteten Veranstaltung. Zwar könnte es passieren, dass einzelne Menschen medizinisch unwerwünscht hohe Joddosen von über 300 µg täglich aufnehmen. Das könne durch den Verzehr von Nahrung passieren, die viel Jod enthalten kann wie algenhaltige Speisen, aber auch Milch oder Eier. Andererseits nimmt immer noch fast jeder Zweite weniger als 100 µg Jod täglich zu sich. Und anderes als manchmal behauptet, fördere eine Jodzufuhr bis zu 300 µg Jod täglich nicht die Entstehung von Hashimoto-Thyreoitiden.

Allerdings: Algenhaltige Speisen wie Sushi, die viel Jod enthalten können, müssen bei autonomen Adenomen oder bei Schilddrüsen-Überfunktion gemieden werden.

Auch sollten etwa Schwangere, denen eine tägliche Zufuhr von 260 µg Jod empfohlen wird, zu Folsäure-Jod-Präparaten nicht auch noch zusätzlich Jodtabletten einnehmen, sagte Hehrmann.

Im April ist wieder Schilddrüsenwoche

Auch in diesem Jahr ist wieder eine Woche der Schilddrüse gewidmet. Vom 23. bis 27. April 2007 findet bundesweit die zweite Schilddrüsenwoche statt. Wieder werden 10 000 Praxen eine Woche lang ihren Patienten Schilddrüsen-Palpationen anbieten und an der Auswertung der Ergebnisse teilnehmen. Partner sind die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, das Forum Schilddrüse, der Arbeitskreis Jodmangel und Sanofi-Aventis. Medienpartner ist die "Ärzte Zeitung". Übrigens: Auch Praxen, die nicht an der offiziellen Erhebung teilnehmen, können natürlich bei der Schilddrüsen-Woche mitmachen. (gwa)

Weitere Informationen sowie Material etwa fürs Wartezimmer gibt es bei www.schilddruese.de und www.forum-schilddruese.de

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