Ärzte Zeitung, 23.04.2007

BLICK IN DIE ZUKUNFT

Wer heute jung ist, kriegt später wohl keinen Kropf

Jodversorgung bei Jugendlichen seit einigen Jahren gut / Die über 46-Jährigen haben häufig Knoten und Strumen

Es darf vermutet werden, dass in einigen Jahrzehnten die Rate der Strumen und Schilddrüsenknoten abnimmt. Denn Deutschland ist nach WHO-Definition seit 2004 kein Jodmangelgebiet mehr. Jodmangel ist aber der wichtigste Grund für Schilddrüsenveränderungen. In den kommenden Jahren allerdings müssen Kollegen zunächst noch bei vielen Patienten - besonders bei alten - mit Knotenstrumen rechnen.

Deutschland ist dank konsequenter Verwendung etwa von Jodsalz nach der WHO-Definition seit 2004 kein Jodmangelgebiet mehr. Vor 1990 lag die durchschnittliche tägliche Jodaufnahme noch unter 100 µg, aber über 25 µg (Jodmangel Grad I bis II). Nach den Daten des Jodmonitorings 1996 nehmen Erwachsene inzwischen durchschnittlich 110 µg Jod täglich über Speisen und Getränke zu sich, sagt Professor Rainer Hehrmann aus Stuttgart.

Allerdings: Dieser Wert ist ein Mittelwert. Noch immer nimmt etwa jeder zweite Erwachsene täglich weniger als 100 µg Jod zu sich, so Hehrmann. Empfohlen werden aber täglich 180 bis 200 µg Jod; bei Schwangeren sollten es 260 µg täglich sein.

Doch ist die Jodversorgung inzwischen messbar besser geworden, mit guten Folgen für die Schilddrüse. Das trifft zumindest bei Kindern und Jugendlichen der Greifswalder Studie zu: Bei 11- bis 17-Jährigen wurde die Jodausscheidung im Urin gemessen (Dtsch Arztebl 99, 2002, A 2560). Außerdem wurde die Struma-Prävalenz bei den Teilnehmern registriert Ergebnisse: Innerhalb von 10 Jahren - von 1991 bis 2000 - nahm die Jodurie von unter 50 µg pro Gramm Kreatinin auf gut 120 µg / g Kreatinin zu. Nach Definition besteht kein Jodmangel, wenn der Medianwert der renalen Jodausscheidung in einer Bevölkerungsgruppe mindestens 100 µg / g Kreatinin beträgt. Zumindest die Jugendlichen der Greifswalder Studie sind also gut mit Jod versorgt.

Welchen Einfluss eine gute Jodversorgung auf die Struma-Prävalenz hat, konnten Studienleiter Professor Wieland Meng von der Uni Greifswald und sein Team ebenfalls belegen: Innerhalb der zehn Jahre sank die Prävalenz von 36 Prozent auf 9 Prozent. Von den 7- bis 10-Jährigen hatten im Jahr 2000 nur noch vier Prozent eine vergrößerte Schilddrüse. Bleibt es bei der guten Jodversorgung, werden auch längerfristig die Kropf- und Knotenraten sinken.

Doch derzeit kann bei Erwachsenen noch keine Entwarnung gegeben werden. Viele von ihnen sind mit Jodmangel groß geworden: Im Jahr 1975 zum Beispiel lag die Jodurie bei 25 µg / g Kreatinin (Jodmangel Grad II). Deshalb haben so viele ab 46 Knoten oder Kröpfe: nämlich fast jeder zweite. Zum Vergleich: Bei den 18- bis 30-Jährigen sind es etwa 14 Prozent. Das ergab die bislang weltweit größte Schilddrüsenerhebung Papillon mit fast 100 000 Teilnehmern. (gwa)

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