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PRÄVENTION UND FRÜHERKENNUNG

Der Griff an den Hals tut Patienten nur Gutes

Jedes Jahr gibt es in Deutschland weit über 100 000 SchilddrüsenOperationen - bis zu acht Mal mehr als in anderen Ländern. Operiert wird meist wegen einer Struma oder Knoten. Viele der Eingriffe wären vermeidbar, sagen Spezialisten. Eine Voraussetzung: Schilddrüsen-Veränderungen sollten möglichst früh erkannt werden, etwa durch Palpation. TSH-Wert und Sonografie helfen bei der Diagnostik von Funktionsstörungen.

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Je nach Spezialisierung eines Zentrums werden 50 bis 80 Prozent der Schilddrüsen-Operationen wegen Jodmangel-Strumen gemacht. Viele der Eingriffe sind vermeidbar, wenn Strumen medikamentös verkleinert werden können. Damit das gut klappt, müssen Strumen möglichst früh entdeckt werden - also bevor sie sichtbar sind oder Probleme verursachen wie Druckgefühl oder Schluckbeschwerden. Schnell und einfach ist die Diagnostik mittels Palpation.

Die Früherkennung von Strumen und die medikamentöse Therapie Betroffener mit Levothyroxin und Jodid hat viele Vorteile. Patienten wird nicht nur eine Operation, sondern es werden ihnen auch mögliche Komplikationen erspart: Immerhin beträgt das Risiko, eine Recurrence-Parese zu bekommen, bei der Operation benigner Strumen 0,8 Prozent - pro operiertem Schilddrüsenlappen. Das Risiko für eine dauerhafte Hypokalziämie beträgt pro operiertem Lappen 1,8 Prozent. Bei Rezidiveingriffen sind es 7 Prozent und 5,4 Prozent.

Auch was die Kosten betrifft, rechnen sich Früherkennung und medikamentöse Struma-Verkleinerungen: Operation und Medikamente werden gespart, die meistens lebenslang eingenommen werden müssen. Geht man von 100 000 Operationen jährlich aus, sind es nach zehn Jahren bereits eine Millionen Menschen, die lebenslang Schilddrüsenhormone einnehmen müssen. Nach 20 Jahren sind es schon zwei Millionen.

Wie geht es weiter, wenn bei der Palpation eine Struma oder Knoten getastet werden? Als wichtigster Laborwert sollte zunächst TSH bestimmt werden. Ist der Wert normal, ist eine manifeste Funktionsstörung äußerst unwahrscheinlich. Bei Tastbefunden sollte auch sonografiert werden, empfiehlt Professor Rainer Hehrmann aus Stuttgart.

Wichtig dafür sind ein passender Schallkopf, zum Beispiel mit 7,5 Mhz, und einige Erfahrung. Wer nicht selbst sonografiert, schickt seine Patienten am besten gleich zu einem Endokrinologen. Mit Bestimmung etwa der Schilddrüsenhormone und eventuell auch der Schilddrüsen-Autoantikörper wie TPO (thyreoidale Peroxidase) sowie gegebenenfalls auch einer Szintigrafie werden Schilddrüsen-Krankheiten ausgeschlossen.

Sind die Befunde normal, empfiehlt Hehrmann bei Knoten bis 1,5 cm eine Sonografie nach 6 Monaten. Sind die Knoten nicht gewachsen, wird jährlich kontrolliert, einschließlich TSH. Kontrollen bei größeren Knoten sollten Hausärzte ruhig Endokrinologen überlassen. (gwa)

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