Ärzte Zeitung, 28.08.2007

"Therapie je nach Symptomen, nicht nur nach TSH-Werten"

Subklinische Hypothyreose / Eine Behandlung mit L-Thyroxin nützt nicht immer

MÜNCHEN (wst). Ob Patienten mit subklinischer Hypothyreose von einer Behandlung mit L-Thyroxin profitieren, ist nach Ansicht eines britischen Endokrinologen selbst bei TSH-Werten bis zu 10 mU/l fraglich. Gerechtfertigt sei eine langfristige Therapie nur, wenn die Patienten plausible hypothyreotisch bedingte Symptome haben.

Bei der manuellen Untersuchung der Schilddrüse lassen sich beginnende Strumen und Knoten ertasten. Foto: Klaro

Außerdem sollten sich die Beschwerden bei einer probatorischen Substitution bessern, so der Endokrinologe Professor Georg Brabant vom Christie Hospital in Manchester.

Eine subklinische Hypothyreose ist zunächst rein labormedizinisch definiert. Daran hat Brabant beim 5. Münchener Schilddrüsen-Symposium erinnert. Dabei sind die Konzentrationen des Schilddrüsenhormons im Blut noch im Referenzbereich, und das TSH liegt oberhalb der Norm, sagte Brabant auf der vom Unternehmen Merck Serono unterstützten Veranstaltung.

Brabant wies darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren Bestrebungen gab, die TSH-Obergrenze von etwa 4,5 auf 2 bis 2,5 mU/l zu senken. Denn selbst bei TSH-Werten zwischen 4 und 10 mU/l habe sich in großen Metaanalysen kein überzeugender prognostischer Nutzen einer L-Thyroxin-Therapie bei subklinischer Hypothyreose ergeben. Gegen eine voreilige Behandlung mit Schilddrüsenhormonen sprechen bei subklinischer Hypothyreose zudem Risiken. So könne es zu einer iatrogenen latenten bis manifesten Hyperthyreose mit Nachteilen vor allem auch für das Herz kommen.

Als Fazit für die Praxis vertrat Brabant die Meinung, dass bei subklinischer Hypothyreose mit TSH-Werten unter 10 mU/l eine Therapie mit L-Thyroxin (etwa Euthyrox®) nur unter bestimmten Bedingungen erwogen werden sollte. Dann nämlich, wenn die Patienten unter möglichen Symptomen einer Unterfunktion wie Müdigkeit, Antriebsarmut, Obstipationen oder Kälteintoleranz litten.

Besserten sich solche Symptome bei einer dreimonatigen probatorischen Therapie trotz Verschiebung des TSH-Werts in einen niedrig-normalen Bereich nicht, hätten sie wohl eine andere Ursache als die subklinische Hypothyreose. Allerdings seien - vor allem bei Hinweisen auf eine Immunthyreopathie wie erhöhte Titer von TPO (Schilddrüsen-Peroxidase)-Antikörpern - regelmäßige Laborkontrollen obligat. Damit lasse sich der Übergang in eine therapiepflichtige manifeste Hypothyreose früh erfassen.

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