Ärzte Zeitung, 21.04.2008

Prävention und Früherkennung

Ausreichend Jod schützt vor Struma und Knoten

 ausreichend jod schützt vor struma und knoten

Jugendliche in Deutschland inzwischen meist ausreichend mit Jod versorgt / Ab 45 nimmt Zahl der Knoten zu

Die beste Prävention von Schilddrüsenveränderungen wie Strumen oder Knoten ist, Jodmangel vorzubeugen. Dieses Ziel ist in Deutschland schon greifbar nah. Inzwischen sind Kinder und Jugendliche ausreichend mit Jod versorgt. Bei den Älteren, die noch mit Jodmangel aufgewachsen sind, ist es wichtig, Schilddrüsenveränderungen früh zu erkennen. Dann könnte vielen von ihnen eine StrumaOperation erspart werden.

 Ausreichend Jod schützt vor Struma und Knoten

Einfach und effektiv: Schilddrüsen-Palpation als Screening.

Foto: Schilddrüsen-Initiative Papillon

Inzwischen hat sich Deutschland von einem Gebiet mit Jodmangel zu einem mit niedrig normaler Jodversorgung gewandelt. Jetzt werden die Empfehlungen der WHO - wenn auch knapp - erreicht. Die im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGS ausgewerteten Urinproben von mehr als 14 000 Kindern und Jugendlichen ergaben nämlich, dass die Jodausscheidung im Median bei 117 μg/l liegt (Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 50, 2007, 744).

Das liegt noch innerhalb des von der WHO empfohlenen Bereichs von 100 bis 200 μg/l, wenn auch im unteren Bereich. Weitere Vorgaben der WHO, um einen Jodmangel innerhalb eines Landes auszuschließen: Der Anteil der Menschen mit einer Jodausscheidung unter 100 μg/l Urin soll bei weniger als 50 Prozent liegen. In KiGGS waren es 40 Prozent. Weniger als 50 μg Jod/l Urin soll es höchstens bei 20 Prozent der Menschen sein. In KiGGS waren es 17 Prozent.

Die Prävalenz von Schilddrüsenvergrößerungen liegt je nach Referenzwert zwischen drei und 30 Prozent. Noch diskutieren Wissenschaftler darüber, welches die geeigneten Werte sind. Die Zahl der Kinder zwischen sechs und 17 Jahren mit Schilddrüsenvergrößerungen hat aber in den vergangenen 20 Jahren abgenommen, selbst wenn man von einer Prävalenz von 30 Prozent ausgeht.

Bei Menschen über 45 muss jedoch weiter von einer höheren Struma- und Knotenprävalenz ausgegangen werden, denn sie sind noch zu Jodmangelzeiten aufgewachsen. Deshalb hat etwa jeder Zweite ab 46 Jahren Knoten oder Kröpfe. Zum Vergleich: Bei den 18- bis 30-Jährigen sind es etwa 14 Prozent.

Es lohnt sich also, mit Palpation nach Schilddrüsenveränderungen zu suchen. Und zwar am besten, bevor ein Patient Beschwerden wie Schluckprobleme oder Druckgefühl hat. Oder bevor Strumen sichtbar werden. Denn wenn Veränderungen wie Strumen früh entdeckt werden, ist eine medikamentöse Schilddrüsenverkleinerung mit Jodid und Levothyroxin möglich. Und das könnte vielen eine spätere operative Strumaverkleinerung und möglich Komplikationen ersparen

Pro Jahr gibt es mehr als 100 000 Schilddrüsen-Operationen, viele wegen Jodmangel-Strumen. Das Risiko, dabei eine Recurrens-Parese zu bekommen, beträgt pro operiertem Schilddrüsenlappen 0,8 Prozent. Und das Risiko für eine persistierende Hypokalziämie beträgt pro operiertem Lappen 1,8 Prozent.

Auch was die Kosten betrifft, rechnen sich Früherkennung und medikamentöse Struma-Verkleinerungen: Op und lebenslange Substitution werden gespart. Bei 100 000 Operationen jährlich sind es nach zehn Jahren bereits eine Millionen Menschen, die lebenslang Thyroxin einnehmen müssen. Nach 20 Jahren sind es schon zwei Millionen. (gwa)

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