Ärzte Zeitung, 15.01.2009

Was tun bei einem Schilddrüsen-Knoten?

Wichtig ist, Knoten mit hohem Risiko herauszufiltern / Sonografie ist unverzichtbar / Bei maligner Histologie, ist die Struktur meist echoarm

BERLIN (hbr). Eine Patientin klagt über ein Druckgefühl im Hals, das sie zunehmend auch beim Schlucken stört. Der Arzt tastet ihre Schilddrüse ab und entdeckt eine knotige Veränderung. Was jetzt?

Diese Situation ist für Hausarztpraxen typisch. Denn Schilddrüsenknoten und Knotenstrumen sind wegen des früher starken Jodmangels hierzulande immer noch häufig und gehören zu den Ursachen für die 100  000 Schilddrüsen-Operationen pro Jahr.

Vor allem bei älteren Frauen - bei 41 Prozent der 46- bis 65-Jährigen - treten diese Folgen des Joddefizits auf. Und jeder Knoten ist potentiell maligne. Allerdings werden jährlich nur 4000 Schilddrüsen-Karzinome diagnostiziert. Und von denen seien nur 2500 klinisch relevant, sagt Professor Martin Grußendorf aus Stuttgart.

Wichtig ist also, Knoten mit hohem Risiko herauszufiltern. Bei Verdacht auf Schilddrüsenprobleme ist deshalb zur Diagnostik außer Anamnese und Palpation auch die Sonografie unverzichtbar, sagte Grußendorf bei einem Symposium des Unternehmens Merck Pharma in Berlin. Damit lassen sich unter anderem Volumen und Echogenität der Drüse ermitteln sowie Zahl, Volumen, Echotextur und Randbegrenzung der Knoten.

In einer Studie bei operierten Patienten wurde festgestellt, dass bei maligner Histologie die Knotenstruktur zuvor bei 81 Prozent der Patienten sonografisch echoarm war. Bei benigner Histologie war dies bei 52 Prozent der Fall. Mikroverkalkungen fanden sich bei 72 Prozent (benigne Histologie: 29 Prozent) und ein verwaschener Rand bei 53 Prozent (im Vergleich zu 19 Prozent). Lymphknoten, deren Verhältnis von Länge zu Dicke unterhalb von 2 liegt, sind metastasenverdächtig.

Eine Duplexsonografie kann die Risikoeinschätzung erleichtern. Ihre Sensitivität und Spezifität sind jedoch gering. Eindeutig suspekt ist eine starke zentrale Vaskularisation des Knotens (Typ-4-Durchblutung). Eine sinnvolle Zusatzuntersuchung ist die Szintigrafie, wenn bei Knoten über 10 mm Durchmesser das Speicherverhalten beurteilt werden soll. Bei Patienten mit suspekten Befunden kann anschließend eine Feinnadelpunktion mit zytologischem Check nötig sein.

Unerlässlich ist die Laboruntersuchung zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion und - bei Verdacht auf eine autoimmune Erkrankung - des Antikörperstatus. Außerdem empfiehlt sich bei Knotenstrumen eine Calcitonin-Messung, um ein C-Zell-Karzinom auszuschließen.

Bei zytologisch nicht suspekter und nicht hyperthyreoter Struma multinodosa mit Knoten unter 2 cm Durchmesser kann eine Medikation mit L-Thyroxin (zum Beispiel Euthyrox®), Jodid oder beidem erwogen werden.

Eine Kontrolle sollte spätestens nach sechs Monaten erfolgen. Danach genügt bei unauffälligem Verlauf der doppelte Abstand.

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