Freitag, 31. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 02.04.2009

Gastkommentar

TSH leicht erhöht? Trotzdem abklären!

Von Petra-M. Schumm-Draeger

Die Ergebnisse der Rotterdam-Studie sind eindrucksvoll: Bereits ein Serum-TSH im unteren sowie ein T4 im oberen Normbereich - meistens treten diese Befunde kombiniert auf - steigern das Risiko für Tachyarrhythmien und vor allem Vorhofflimmern deutlich. Diese Resultate schließen unmittelbar an bereits publizierte Daten derselben Studie an, wonach das kardiovaskuläre Risiko bereits in einem TSH-Bereich von 0,5 mU/l signifikant erhöht ist.

Bei einem Serum-TSH im unteren Normbereich (0,4 bis 1  mU/l) muss also die Schilddrüsendiagnostik erweitert werden. Das gilt besonders für Patienten über 50 bis 60 Jahre und für jene mit Begleiterkrankungen wie Diabetes, Hypertonie, Adipositas oder Vorerkrankungen des Herzens. Praktisch bedeutet das eine Überprüfung von TSH, fT3, fT4 sowie eventuell der Schilddrüsen-Antikörper und eine Sonografie der Schilddrüse. Bei Knoten ist ein Szintigramm sinnvoll.

Sehr häufig ist in Deutschland - besonders bei Älteren - die Struma nodosa, und damit die Schilddrüsenautonomie als Risiko einer Hyperthyreose auch in ihrer milden, subklinischen Form. Ein Serum-TSH im unteren Normbereich kann eine noch kompensierte Schilddrüsenautonomie in einer Knotenstruma signalisieren. Durch konsequente Diagnostik und bei Bedarf Intervention ließen sich Prävalenz und Gefährlichkeit von Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern senken.

Professor Petra-Maria Schumm-Draeger ist Chefärztin der Endokrinologischen Abteilung am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen

Lesen Sie dazu auch:
Hochnormale Funktion der Schilddrüse birgt Risiken

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Kampf gegen Ebola: Impfstoffe sollen in einem halben Jahr verfügbar sein

Was sonst Jahre dauert, soll angesichts der Ebola-Epidemie nun in wenigen Monaten passieren: Die Tests zweier Impfstoffe gehen in die heiße Phase. mehr »

Neue IT-Schnittstelle: Schneller Datenaustausch bleibt Illusion

In Kürze soll es eine einheitliche IT-Schnittstelle für den Transfer von Praxisdaten von einer Arztsoftware zur anderen geben. Den großen Wunsch nach mehr Interoperabilität wird die neue Schnittstelle aber wohl nicht erfüllen. mehr »

50 Jahre Rettungswagen: Das "Rendezvous-System" erobert die Welt

Ein Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg hatte vor 50 Jahren eine Idee, die die Notfallmedizin revolutionierte. Heute stehen die Notärzte der Region wieder am Scheideweg. mehr »