Kein Kaffee zum Schilddrüsenhormon!

Nach der morgendlichen Einnahme von Schilddrüsenhormon eine halbe Stunde mit dem Frühstück warten - Regeln wie diese sollten Patienten beherzigen. Denn sonst kann die Resorption des Präparats gestört oder die (Rest)-Sekretion der Schilddrüse beeinflusst werden.

Von Helga Brettschneider Veröffentlicht:
Bei Frauen, die T4 mit Kaffee statt mit Wasser einnahmen, wurde niedrigeres T4 gemessen.

Bei Frauen, die T4 mit Kaffee statt mit Wasser einnahmen, wurde niedrigeres T4 gemessen.

© Foto: Kzenonwww.fotolia.de

Bei der Therapie mit Schilddrüsenhormon lohnt es sich, auf Begleitumstände zu achten. Denn sie können die Resorption der Hormone hemmen, die Schilddrüse beeinflussen oder die Aussagekraft des TSH-Wertes verfälschen. Die Auslöser reichen von Lebensmitteln über Krankheiten, bis hin zu Medikamenten, wie Professor Christian Menzel bei einer Veranstaltung von Merck Pharma in Wiesbaden berichtet hat. Unter Dopamin, Octreotide und Metformin zum Beispiel sinkt der TSH-Wert. Das gilt auch für die häufig eingesetzten Kortikosteroide. Schon 20 mg Hydrocortison  - entsprechend etwa 5 mg Prednison - genügen für eine signifikante Verringerung. Der TSH-Wert erlaubt dann keine Aussage, und die freien Hormone sollten gemessen werden, sagte der Endokrinologe aus Wiesbaden.

Außerdem ist es sinnvoll, Schilddrüsen-Patienten an den Grundsatz ihrer Hormon-Einnahme zu erinnern: Levothyroxin (T4, zum Beispiel Euthyrox®) sollte morgens nüchtern, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück, eingenommen werden. Wird das nicht eingehalten, dann können selbst übliche Getränke das Therapieergebnis verändern.

Dafür genügt schon ein Kaffee zur falschen Zeit. So wurden zum Beispiel bei Frauen, die T4 täglich mit Kaffee statt mit Wasser einnahmen, niedrigere Werte für T4 gemessen. Der Kaffee hatte die Resorption um 40 Minuten verzögert und die Bioverfügbarkeit um 32 Prozent verringert. Wegen der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit wird auch der in den Apotheken häufige Austausch eines verordneten Präparates gegen ein anderes kritisch bewertet.

Vorsicht ist geboten mit Soja, Kalzium, Eisen und Magnesium.

Sojahaltige Nahrungsmittel können den T4-Bedarf ebenfalls erhöhen. Außerdem wird die Resorption durch die gleichzeitige Einnahme von Kalziumpräparaten gehemmt - in einer Studie um ein Drittel. Bei diesen Patienten sank das freie T4 um acht Prozent, während der TSH-Wert von 1,6 auf 2,7 mU/l stieg. Bei jedem Fünften erreichte er sogar mehr als 4,5 mU/l. Um das zu vermeiden, sollten die Patienten T4 nüchtern schlucken und das Kalziumpräparat frühestens 30 bis 60 Minuten danach. Wer zuerst das Kalzium nimmt, muss mit der T4-Einnahme mindestens vier Stunden warten.

Die T4-Resorption wird zudem durch eisen- und magnesiumhaltige Präparate und durch Medikamente wie Raloxifen, Cholestyramin und Protonenpumpen-Hemmer beeinträchtigt. Alle Wirkstoffe, die den pH-Wert im Magen anheben, mindern die Absorption. Zu den die Resorption hemmenden Krankheiten zählen atrophische Gastritis, Helicobacter-Infektionen, Leberschäden, Zöliakie/Sprue, Parasitosen und chronische Magen-Darm-Infekte.

Einige Arzneien können ebenso wie stark jodhaltige Kontrastmittel die thyreoidale Hormonsekretion hemmen, so Menzel. Dazu gehören Amiodaron und Lithium. Rund zehn Prozent der Patienten mit Amiodaron entwickeln nach ein bis zwei Jahren eine Hypothyreose. Mit Lithium wiederum kann der T4-Spiegel in vier Wochen um 40 Prozent fallen.

Mehr zum Thema

Parathyreoidektomie

Hyperparathyreoidismus: Operation kann vor Diabetes schützen

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren

Sie fragen – Experten antworten

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Lesetipps
Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert