Ärzte Zeitung, 23.04.2009

Kein Kaffee zum Schilddrüsenhormon!

Nach der morgendlichen Einnahme von Schilddrüsenhormon eine halbe Stunde mit dem Frühstück warten - Regeln wie diese sollten Patienten beherzigen. Denn sonst kann die Resorption des Präparats gestört oder die (Rest)-Sekretion der Schilddrüse beeinflusst werden.

Von Helga Brettschneider

Bei Frauen, die T4 mit Kaffee statt mit Wasser einnahmen, wurde niedrigeres T4 gemessen.

Foto: Kzenon©www.fotolia.de

Bei der Therapie mit Schilddrüsenhormon lohnt es sich, auf Begleitumstände zu achten. Denn sie können die Resorption der Hormone hemmen, die Schilddrüse beeinflussen oder die Aussagekraft des TSH-Wertes verfälschen. Die Auslöser reichen von Lebensmitteln über Krankheiten, bis hin zu Medikamenten, wie Professor Christian Menzel bei einer Veranstaltung von Merck Pharma in Wiesbaden berichtet hat. Unter Dopamin, Octreotide und Metformin zum Beispiel sinkt der TSH-Wert. Das gilt auch für die häufig eingesetzten Kortikosteroide. Schon 20 mg Hydrocortison  - entsprechend etwa 5 mg Prednison - genügen für eine signifikante Verringerung. Der TSH-Wert erlaubt dann keine Aussage, und die freien Hormone sollten gemessen werden, sagte der Endokrinologe aus Wiesbaden.

Außerdem ist es sinnvoll, Schilddrüsen-Patienten an den Grundsatz ihrer Hormon-Einnahme zu erinnern: Levothyroxin (T4, zum Beispiel Euthyrox®) sollte morgens nüchtern, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück, eingenommen werden. Wird das nicht eingehalten, dann können selbst übliche Getränke das Therapieergebnis verändern.

Dafür genügt schon ein Kaffee zur falschen Zeit. So wurden zum Beispiel bei Frauen, die T4 täglich mit Kaffee statt mit Wasser einnahmen, niedrigere Werte für T4 gemessen. Der Kaffee hatte die Resorption um 40 Minuten verzögert und die Bioverfügbarkeit um 32 Prozent verringert. Wegen der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit wird auch der in den Apotheken häufige Austausch eines verordneten Präparates gegen ein anderes kritisch bewertet.

Vorsicht ist geboten mit Soja, Kalzium, Eisen und Magnesium.

Sojahaltige Nahrungsmittel können den T4-Bedarf ebenfalls erhöhen. Außerdem wird die Resorption durch die gleichzeitige Einnahme von Kalziumpräparaten gehemmt - in einer Studie um ein Drittel. Bei diesen Patienten sank das freie T4 um acht Prozent, während der TSH-Wert von 1,6 auf 2,7 mU/l stieg. Bei jedem Fünften erreichte er sogar mehr als 4,5 mU/l. Um das zu vermeiden, sollten die Patienten T4 nüchtern schlucken und das Kalziumpräparat frühestens 30 bis 60 Minuten danach. Wer zuerst das Kalzium nimmt, muss mit der T4-Einnahme mindestens vier Stunden warten.

Die T4-Resorption wird zudem durch eisen- und magnesiumhaltige Präparate und durch Medikamente wie Raloxifen, Cholestyramin und Protonenpumpen-Hemmer beeinträchtigt. Alle Wirkstoffe, die den pH-Wert im Magen anheben, mindern die Absorption. Zu den die Resorption hemmenden Krankheiten zählen atrophische Gastritis, Helicobacter-Infektionen, Leberschäden, Zöliakie/Sprue, Parasitosen und chronische Magen-Darm-Infekte.

Einige Arzneien können ebenso wie stark jodhaltige Kontrastmittel die thyreoidale Hormonsekretion hemmen, so Menzel. Dazu gehören Amiodaron und Lithium. Rund zehn Prozent der Patienten mit Amiodaron entwickeln nach ein bis zwei Jahren eine Hypothyreose. Mit Lithium wiederum kann der T4-Spiegel in vier Wochen um 40 Prozent fallen.

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