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Endokrinologie

Plädoyer für Jodtabletten in der Schwangerschaft

Jodmangel in der Schwangerschaft schadet der geistigen Entwicklung des Kindes. Endokrinologen raten Frauen, in der Schwangerschaft Jodtabletten einzunehmen.

Veröffentlicht:

BOCHUM. Während einer Schwangerschaft verdoppelt sich der Jod-Bedarf. Jod wird für den Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt. Schon ein geringer Jodmangel schadet der Hirnentwicklung des Kindes.

Dies kann eine verminderte Intelligenz zur Folge haben und die Lese- und Sprachfähigkeit des Kindes beeinträchtigen.

Anlässlich einer aktuellen britischen Studie empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) schwangeren Frauen die Einnahme von Jodtabletten.

Daten von 1000 Kindern analysiert

Die Forscher, deren Studie kürzlich in "The Lancet" (2013; 382, 9889: 331 - 337) veröffentlicht wurde, hatten in Südengland etwa 1000 Kinder von der Schwangerschaft ihrer Mütter bis zum Grundschulalter begleitet.

Bei zwei Drittel der Schwangeren war in einem Harntest ein Jodmangel festgestellt worden.

 Ihre Kinder hatten im Alter von acht Jahren häufiger schlechtere Ergebnisse im sprachlichen Teil eines Standard-Intelligenztests für Kinder als der Durchschnitt, und im neunten Lebensjahr fielen sie bei einer schulpsychologischen Untersuchung durch verminderte Fähigkeiten in Lese-Tests auf.

"Sie waren langsamer, machten mehr Fehler und verstanden den Text schlechter als Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft ausreichend mit Jod versorgt waren", so Professor Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in einer Mitteilung der DGE.

Die Unterschiede in der kognitiven Entwicklung seien statistisch eindeutig gewesen. Eine Folge könnten schlechtere Schulnoten sein.

Viele Schwangere haben einen Jodmangel

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachte Jodmangel während der Schwangerschaft als die wichtigste vermeidbare Ursache für einen Hirnschaden des Kindes, so die DGE in ihrer Mitteilung.

"Am meisten betroffen sind Entwicklungsländer. Doch auch die entwickelten Länder sind keineswegs immun, wie die aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt", wird Professor Dagmar Führer, Vize-Präsidentin der DGE und Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen, zitiert.

Auch in Deutschland hätten viele Schwangere einen Jodmangel. Etwa ein Fünftel der Frauen habe schon vor der Schwangerschaft eine Struma, die auf einen Mangel zurückzuführen ist.

Als lebenswichtiges Spurenelement muss Jod über die Nahrung aufgenommen werden, erinnert die DGE. Seit bald 100 Jahren seien die Konsequenzen eines Jodmangels bekannt.

Reagiert wurde darauf durch das Anreichern von Speisesalz mit Jod und die Verwendung dieses jodierten Salzes in der Nahrungsmittelindustrie.

Wir gehen wieder einem Jodmangel entgegen

Seit einigen Jahren gebe es einen umgekehrten Trend. Professor Helmut Schatz: "Meersalz wird als ‚natürlicher‘ angepriesen und jodfreies Salz wird weltweit vermehrt von Lebensmittelherstellern eingesetzt. Wir gehen wieder einem Jodmangel entgegen, der nicht sein müsste."

Mit Jod angereichertes Speisesalz allein ist für Schwangere nicht ausreichend, um das Joddefizit zu senken. "Wir empfehlen weiterhin, dass Schwangere und auch stillende Mütter nach Rücksprache mit ihrem Arzt Jodtabletten einnehmen", betont Professor Dagmar Führer.

"Wir beobachten, dass Jodtabletten zu wenig verordnet werden." Auch dies könnte zu einer Zunahme des Jodmangels bei Schwangeren beigetragen haben. (eb)

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