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Hypothyreose

Überdiagnostik und Übertherapie?

In Großbritannien und den USA wird immer mehr L-Thyroxin verschrieben. Forscher haben jetzt herausgefunden: Selbst Patienten mit einer subklinischen Störung werden therapiert. Womöglich liegt es an einem Hausarztvertrag.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Sonoblick auf die Schilddrüse: Offenbar werden selbst schon subklinische Hypothyreosen therapiert.

Sonoblick auf die Schilddrüse: Offenbar werden selbst schon subklinische Hypothyreosen therapiert.

© shutterstock

CARDIFF. In den USA und in Großbritannien haben die Verschreibungen von L-Thyroxin in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

So stieg diese Zahl in den USA zwischen 2006 und 2010 von knapp 50 Millionen auf mehr als 70 Millionen pro Jahr. In Großbritannien waren es 17 Millionen Verschreibungen 2006 und mehr als 23 Millionen im Jahr 2010.

Eine Ursache könne sein, dass der Anteil der Patienten, bei denen ein Schilddrüsenfunktionstest gemacht worden ist, gestiegen sei und nun zwischen 18 und 25 Prozent liege, so die Endokrinologen um Dr. Peter N. Taylor von der Cardiff School of Medicine.

Natürlich sei es auch möglich, dass der Schwellen-TSH-Wert, bei dem eine Thyroxinbehandlung begonnen wird, gesunken sei. In Großbritannien liegt der Referenz-TSH-Wert zwischen 0,4 und 4,5 mU / l, Werte zwischen 4,5 und 10 mU / l gelten als Zeichen für eine subklinische Hypothyreose.

In Deutschland liegt die Schwelle bei 4,0 mU / l, wobei es Forderungen gibt, sie auf 2,5 mU / l zu senken.

Um die Schwellenthese zu überprüfen, werteten Taylor und seine Kollegen die Befunde von 52.300 Patienten aus, die L-Thyroxin einnehmen und deren Therapie zwischen 2001 und 2009 begann (JAMA Intern Med 2013; online 7. Oktober).

Besonderes Augenmerk legten sie auf den TSH-Spiegel vor Therapiebeginn, auf klinische Symptome und auf TSH-Spiegel fünf Jahre nach Beginn der L-Thyroxintherapie. Von 2001 bis 2006 stieg die Zahl der Rezepte für L-Thyroxin um das 1,8-Fache, danach blieb sie weitgehend unverändert.

Die häufigsten Indikationen für die L-Thyroxinverschreibung waren Müdigkeit, Gewichtszunahme und Depressionen.

Mehr Diagnosen durch Hausarztvertrag?

Während des Studienzeitraums sank der mediane TSH-Wert, bei dem die Hormontherapie begonnen wurde, von 8,7 auf 7,9 mU / l.

Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem TSH-Wert von höchstens 10 mU / l die L-Thyroxintherapie begonnen wurde, lag 2009 - unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung - um 30 Prozent höher als zu Studienbeginn 2001. Von knapp 35.000 Patienten (66,6 Prozent) kannten die Ärzte die fT4-Werte.

Aus den verfügbaren Daten berechneten sie bei Patienten mit fT4-Werten im Referenzbereich einen OR-Wert von 1,17 für die Wahrscheinlichkeit, dass bei ihnen bereits bei einem TSH-Wert von höchstens 10 mU / l die Hormonsubstitution begonnen wurde.

Knapp 11.000 (31,4 Prozent) der Patienten mit bekanntem fT4-Wert im Normbereich wurden bereits bei einem TSH-Wert unter 10 mU / l mit L-Thyroxin behandelt und waren dadurch nach Ansicht der Endokrinologen möglicherweise übertherapiert.

Und Patienten, bei denen bereits bei einem TSH-Wert zwischen 4 und 10 mU / l mit der Hormonsubstitution begonnen wurde, hatten eines gemeinsam: Sie waren mit großer Wahrscheinlichkeit weiblich, hatten kardiovaskuläre Risikofaktoren und waren älter als 70 Jahre, als mit der L-Thyroxintherapie begonnen wurde.

Taylor und seine Kollegen vermuten, dass ein neuer Rahmenvertrag bei den Hausärzten 2002 dazu geführt hat, dass TSH-Werte bei jedem Patienten jährlich bestimmt werden müssen. Letztlich könnten dadurch mehr Patienten mit Störungen der Schilddrüsenfunktion entdeckt und die Ärzte zur L-Thyroxintherapie ermuntert worden sein.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Non nocere!

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