Ärzte Zeitung, 11.03.2015

Bei Senioren

Latente Hyperthyreose gefährdet das Herz

Bei alten Menschen kommen subklinische Schilddrüsenfunktionsstörungen deutlich häufiger vor als manifeste Störungen. Doch auch diese können schon behandlungsbedürftig sein.

REGENSBURG. Etwa 15 Prozent der über 65-Jährigen haben eine subklinische Hypothyreose, die Häufigkeit manifester Hypothyreosen liegt zwischen 0,6 und sechs Prozent.

Die Prävalenz subklinischer Hyperthyreosen wird in der Altersgruppe zwischen drei und acht Prozent verortet, wohingegen manifeste Hyperthyreosen mit weniger als einem Prozent eher selten seien, berichten PD Dr. Christiane Girlich, Geriaterin aus Regensburg, und ihre Kollegen in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" (DMW 2014; 139: 2498).

Allerdings wird kontrovers diskutiert, was im Alter noch normal ist und was Krankheitswert besitzt.

Es gibt altersassoziierte Veränderungen der Schilddrüse, die als physiologisch angesehen werden. So sezerniert die Hypophyse einerseits weniger TSH als bei jungen Menschen, andererseits spricht sie anders auf niedrige freie fT4-Werte an. Bei gesunden sehr alten Menschen habe ein erniedrigtes Serum-TSH verbunden mit leicht erniedrigtem fT3 keine klinische Relevanz, so Girlich und ihre Koautoren. Andererseits werde eine zunehmende Erhöhung der TSH-Spiegel mit dem Alter beschrieben.

So wird der TSH-Referenzwert bei Menschen über 80 bei 0,4-7,9 mU/l angesiedelt. In weiteren Studien müssen womöglich altersadaptierte Schilddrüsen-Referenzwerte ermittelt werden.

Bei alten Menschen können Symptome sehr variabel sein

Derzeit werden TSH-Werte zwischen 4,0 und 10,0 mU/l bei alten Menschen als primär nicht behandlungsbedürftig angesehen.

Bei manifester Hypothyreose mit einem TSH von über 10 mU/l soll dagegen mit L-Thyroxin behandelt werden, weil ansonsten mit verschlechterten kognitiven Leistungen gerechnet werden muss - im Unterschied zur latenten Hypothyreose.

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion können bei alten Menschen sehr variabel sein, oft würden sie als Zeichen anderer chronischer Erkrankungen fehlinterpretiert, ist die Erfahrung der Regensburger Geriater.

Als Hauptursache gelten Autoimmunthyreopathien mit sukzessivem TSH-Anstieg und Anstieg der Schilddrüsen-Autoantikörper (Anti-TPO, TgAk).

Hinzu kommen vorangegangene Schilddrüsenoperationen oder Radiojodtherapien. Wichtig ist die sehr vorsichtige und einschleichende L-Thyroxin-Behandlung mit regelmäßiger TSH-Kontrolle. Als Zielbereich sollen 2-4 mU/l angestrebt werden, um Überdosierungen zu vermeiden.

Etwas anders ist dies jedoch bei der Schilddrüsenüberfunktion zu sehen: Bereits die latente und erst recht die manifeste Hyperthyreose erhöht das Risiko für Vorhofflimmern, fördert die Osteoporose und verschlechtert die kognitive Leistung. Deshalb soll bei diesen Patienten schon früh die Therapie eingeleitet werden.

Von einer subklinischen Hyperthyreose wird bei TSH-Werten unter 0,4 mU/l und noch normalen peripheren Schilddrüsenhormonwerten gesprochen, sind die peripheren Werte erhöht, handelt es sich um eine manifeste Hyperthyreose. (ner)

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