Ärzte Zeitung, 13.06.2005

50 mg Methylenblau stoppen Dauer-Erektion

Kieler Urologen empfehlen Stufentherapie mit dem Farbstoff bei Priapismus

KIEL (mut). Ein Priapismus ist paradoxerweise gerade für Männer mit Potenzschwäche eine Gefahr. Denn injizieren sich solche Männer vasoaktive Substanzen in die Schwellkörper, kann es in seltenen Fällen zu einer Dauer-Erektion kommen. Mit Methylenblau läßt sich diese meist schnell beheben.

Zwar ist die Inzidenz von Priapismus mit Einführung wirksamer oral applizierbarer Potenzmittel seltener geworden, doch noch bei etwa 20 Prozent der potenzschwachen Männer wirken auch die Tabletten nicht ausreichend. Diesen Männern kann oft die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) helfen. Dabei werden vasoaktive Substanzen in die Schwellkörper injiziert.

Dr. Christof van der Horst und Kollegen von der Uniklinik Kiel schätzen, daß es bei etwa einem Prozent der Männer, die Alprostadil zur Injektion verwenden sowie bei acht Prozent der Männer nach Injektion von Papaverin und Phentolaminen zu einer verlängerten Erektion kommt, die dann in einen Priapismus übergehen kann (Blickpunkt der Mann 1, 2005, 29). Dauert die Erektion länger als sechs Stunden, ist eine dauerhafte erektile Dysfunktion möglich. Bei Priapismus ist daher eine rasche Therapie nötig.

Van der Horst rät zunächst zu Aspiration von 150 bis 300 ml Blut aus dem Schwellkörper. Persistiert die Erektion, empfiehlt er die intrakavernöse Injektion von 50 mg Methylenblau. Methylenblau hemmt das Enzym Guanylat-Zyklase. Dieses bildet den Botenstoff cGMP, der die Erektion über die Entspannung glatter Muskelzellen vermittelt. Zeigt die Therapie keinen Erfolg sollte man alpha-adrenerge Mittel injizieren. Helfen auch diese nicht, kann eine arterielle Embolisation nötig werden.

Eine Injektions-Lösung mit Methylenblau ist zur Therapie bei lebensbedrohlichen Methämoglobinämien als Methylenblau Vitis® erhältlich.

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