Direkt zum Inhaltsbereich

Eine laxe Compliance können sich HIV-Infizierte nicht erlauben

KÖLN (ple). Gerade bei HIV-Infizierten ist die Compliance, hier als Adhärenz bezeichnet, besonders wichtig, damit der Erfolg der medikamentösen Therapie nicht gefährdet wird. Ein neues Projekt soll nun helfen, die erforderliche Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten zu standardisieren.

Veröffentlicht:

Damit die antiretrovirale Therapie erfolgreich ist, muß die Adhärenz mehr als 90 Prozent betragen. Das bedeutet: Mehr als 90 Prozent der erforderlichen Dosen müssen eingenommen sein. Daran hat Dr. Birger Kuhlmann aus Hannover beim 14. Deutschen Workshop der Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e.V. (DAGNÄ) in Köln erinnert.

Das Besondere an der Therapie bei einer HIV-Infektion sei, daß resistente Viren entstehen, wenn die Medikamente nicht regelmäßig eingenommen werden. Gerade in der ersten Phase der Behandlung sei die Adhärenz aus diesem Grunde besonders wichtig. Die Patienten - es handele sich meist um junge Menschen - müßten eher motiviert und nicht in die Defensive gedrängt werden. Es dürften in ihnen keine Schuldgefühle hervorgerufen werden.

Wie schwierig es ist, die HIV-Infizierten zur regelmäßigen Einnahme der Medikamente zu bewegen, machen die Ergebnisse einer Umfrage deutlich, über die Kuhlmann berichtet hat. Danach hätten 30 Prozent der Befragten schon einmal an Therapiepausen gedacht, und 22 Prozent hätten sie aus eigener Entscheidung sogar schon gemacht.

Nach Ansicht von Kuhlmann müßten die Patienten unbedingt gut über die Infektion und die Therapiemöglichkeiten informiert werden. Man könne ihnen zum Beispiel genau erklären, was Blutspiegel seien oder der Begriff "minimale Hemmkonzentration", am besten mit Hilfe einer Grafik oder mit Comics. Auch was unter "hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART)" zu verstehen ist, müsse erklärt werden. "Außerdem muß mit den Patienten über Resistenzentwicklung, Adhärenz, Therapieversagen und dessen psychosoziale Situation geredet werden", so Kuhlmann.

Den HIV-Infizierten sei zudem zu verdeutlichen, daß die bei der Betreuung der Kranken verwendeten Meßinstrumente von ihnen nicht als Kontrolle mißverstanden werden dürften, "sondern als Partnerschaftshilfsmittel" gesehen werden sollten. Die DAGNÄ bereitet derzeit ein Adhärenz-Projekt vor, mit dessen Hilfe die Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance standardisiert werden sollen.

Weitere Infos zu HIV und Aids finden Sie unter www.dagnae.de

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich bei dreimonatiger Therapie-Zeit

Apixaban vs. Rivaroxaban: Welches DOAK hat das geringere Blutungsrisiko?

Exklusiv Bundesgesundheitsministerin im Interview

Nina Warken über Reformdruck: „So wie bisher kann es doch nicht weitergehen“

Lesetipps