Ärzte Zeitung, 03.12.2004

Tenofovir und Emtricitabin stützen HIV-Therapie

Kombination mit Efavirenz / Gute Verträglichkeit der Dreifach-Kombination / Zwischenauswertung nach 24 Wochen

MÜNCHEN (awa). Drei Medikamente aus mindestens zwei Substanzklassen, so sieht eine initiale, divergente HIV-Therapie aus. Potente und einfach einzunehmende Kombinationspartner als Rückgrat der HIV-Therapie sind der nukleotidale Reverse Transkriptase-Hemmer (NtRTI) Tenofovir und der nukleosidale Reverse Transkriptase-Hemmer (NRTI) Emtricitabin. Beide Medikamente sind so wirksam wie andere NRTIs, aber besser verträglich.

Dieses Rückgrat mache den Unterschied, vor allem bei den unerwünschten Wirkungen, betonte Dr. Knud Schewe aus Hamburg bei den 10. Münchner Aids-Tagen. Schewe stellte die Zwischenauswertung einer randomisierten, offenen Studie vor, in der die Wirksamkeit von einmal täglich Tenofovir (TDF, Viread®) plus Emtricitabin (FTC, Emtriva®) verglichen wird mit der der fixen NRTI-Kombination zweimal täglich 3TC plus AZT, und zwar jeweils kombiniert mit dem nicht-nukleosidalen Reverse Transkriptase-Hemmer (NNRTI) Efavirenz als dritte Substanz.

Nach 24 Wochen waren beide Behandlungen virologisch und immunologisch bei 509 auswertbaren, zuvor nicht behandelten Patienten ähnlich gut wirksam: Die Virusmenge lag in der Intent-To-Treat-Analyse mit FTC/TDF bei 73 Prozent und mit 3TC/AZT bei 65 Prozent unter der Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA Kopien pro Milliliter Blut. Die CD4-Zellzahl stieg um 129 und 111 Zellen pro Mikroliter Blut.

Der Unterschied der beiden Therapien spiegele sich in der Verträglichkeit wider, so Schewe bei einem Symposium des Unternehmens Gilead Sciences. Bei 15 Prozent der mit 3TC/AZT behandelten Patienten traten unerwünschte Ereignisse Grad 3 und 4 auf, dagegen nur zu 9 Prozent bei den mit FTC/TDF behandelten Patienten. Signifikant mehr Patienten brachen die Therapie mit 3TC/AZT (9 versus 3 Prozent) vor allem wegen Anämie und Übelkeit ab.

Im Vergleich d4T sei Tenofovir auch bei den Langzeit-Nebenwirkungen der mitochondrialen Toxizität wie periphere Neuropathie vorteilhafter, berichtete Schewe. In einer randomisierten, verblindeten Studie mit 600 zuvor nicht Behandelten war nach drei Jahren Therapie TDF plus 3TC virologisch und immunologisch ähnlich wirksam wie d4T plus 3TC, jeweils kombiniert mit Efavirenz.

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