Ärzte Zeitung, 02.03.2005

Rezeptorblocker verhindert massives Zellsterben

Antagonist macht Infektion von Zellen mit HIV unmöglich und schützt unbeteiligte Zellen vor der Apoptose

BETHESDA (ple). Ein neuer Wirkstoff gegen die Infektion mit HIV-1 verhindert offenbar nicht nur das Eindringen des Aids-Erregers in CD4-positive Zellen, sondern auch das Absterben nichtinfizierter Zellen aufgrund des programmierten Zelltodes im Zusammenhang mit der HIV-1-Infektion. Es handelt sich um einen Hemmstoff des Rezeptors CCR5, der auf den Körperzellen als Korezeptor für das Virus dient.

Der Aids-Erreger HIV dockt mit seinem Oberflächenprotein gp120 an den Korezeptor CCR5 auf einer Zelle. Ein Signal leitet weitere Veränderungen an der Zelloberfläche ein, wodurch der Aids-Errerger in die Zelle geschleust wird.

Die Bedeutung des Rezeptors CCR5 für eine HIV-1-Infektion wird daran deutlich, daß Mutationen in dem entsprechenden Gen zu einer Resistenz gegen den Aids-Erreger beitragen. Etwa ein Prozent aller Weißen haben ein mutiertes CCR5-Gen. Menschen mit dieser Mutation, die sich mit HIV-1 infizieren, erkranken nicht an Aids.

Der CCR5-Rezeptor-Antagonist (grün) verändert die räumliche Struktur des Korezeptors so sehr, daß das HIV-Hüllprotein gp120 nicht mehr andocken kann. Es kommt kein Signal mehr zustande, das das Einschleusen von HIV einleitet. Quelle: nach GlaxoSmithKline

Für Pharmakologen Grund genug, nach Wirkstoffen zu suchen, die die Funktion des Korezeptors stören oder ganz ausschalten. Einer dieser neuartigen Wirkstoffe ist die Substanz GW873140 von dem Unternehmen GlaxoSmithKline. Wie berichtet, ist das oral verabreichte Präparat bereits in Phase 2 der klinischen Prüfung. Es verringert die Virusmenge innerhalb von zehn Tagen um mehr als 95 Prozent. Start der Phase 3 der Studie ist für diese Sommer geplant.

Die Wirksamkeit des Rezeptorantagonisten läßt sich jetzt gut in einem Tiermodell weiter erforschen, das Wissenschaftler in den USA und in Japan entwickelt haben (J Virol 79(4, 2005, 2087). Es handelt sich um Mäuse, die gentechnisch so verändert sind, daß sich - ohne Abstoßungsgefahr - weiße Blutkörperchen von Menschen intraperitoneal injizieren lassen. Die Zellen tragen den Rezeptor CCR5 und können mit HIV-1 infiziert werden.

   Ein Tiermodell erleichtert die HIV-Forschung.
   

Die Forscher um Professor Hiroaki Mitsuya vom Nationalen Krebsinstitut in Bethesda im US-Staat Maryland haben jetzt in Versuchen mit diesem Tiermodell herausgefunden, daß der Hemmstoff GW873140 offenbar mehr kann, als das Eindringen von HIV-1 in Zellen über den CCR5-Rezeptor zu verhindern. Die Forscher stellten fest, daß trotz Zunahme der HIV-1-Menge im Blut der Tiere die Zahl der CD4-positiven Zellen nicht abnahm.

Mitsuya und seine Kollegen vermuten, daß der Hemmer nicht nur die Infektion der Zellen mit HIV-1 verhindert, sondern auch die Apoptose noch nicht infizierter CD4-Zellen. Bei einer HIV-1-Infektion wird der programmierte Zelltod durch das Molekül TRAIL (tumor necrosis factor related inducing ligand) eingeleitet.

Dies wird von vielen Forschern als einer der Gründe für den massiven Verlust von CD4-positiven Zellen bei HIV-1-Infizierten angesehen. Die virusinfizierten Zellen schütten offenbar Substanzen aus, die die TRAIL-Synthese ankurbeln.

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