Ärzte Zeitung, 31.03.2005

HIV-Therapie muß auch gut immunologisch wirksam sein

Erfolg mit Protease-Hemmer, der vor Abbau geschützt ist

MARRAKESCH (awa). Bei der Entscheidung für Medikamente der initialen HIV-Therapie stehen nach wie vor die maximale Hemmung der Virusvermehrung und die Verbesserung oder der Erhalt des Immunstatus im Vordergrund. Kombinationstherapien mit geboosterten Protease-Hemmern (PI) und nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmern (NNRTI) sind zwar virologisch ähnlich gut wirksam, aber geboosterte PIs wie Lopinavir/r wirken immunologisch besser.

Boostern bedeutet, daß das zusätzlich verabreichte Ritonavir (r) in niedriger Konzentration jene Enzyme hemmt, die den Kombipartner, etwa Lopinavir, abbauen. Die immunologisch bessere Wirkung geboosterter PIs wurde jetzt in einem systematischen Vergleich von 49 Studien bestätigt, in denen zwischen 1994 und 2004 insgesamt 13 147 zuvor nicht behandelte HIV-Patienten mit unterschiedlichen Dreifach-Kombitherapien mindestens 48 Wochen lang behandelt wurden. Dies hat Professor Joep Lange aus Amsterdam bei einer Tagung in Marrakesch berichtet.

Der Studie zufolge waren ein geboosterter PI sowie ein NNRTI - jeweils kombiniert mit zwei nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmern (NRTI) - den Dreifachkombinationen aus ungeboostertem PI plus zwei NRTIs und Kombinationen aus drei NRTIs signifikant überlegen: Jeweils 64 Prozent der Patienten hatten in der Intent-To-Treat-Analyse mit geboostertem PI und NNRTI eine Virusmenge unter 50 HIV-RNA Kopien pro Milliliter Blut im Vergleich zu 44 und 51 Prozent in den anderen beiden Gruppen.

In 19 Studienarmen erreichten diese Nachweisgrenze mehr als 65 Prozent der Patienten. Darunter waren nur Kombitherapien mit den NNRTI Nevirapin und Efavirenz sowie Lopinavir/r (Kaletra®) als einzigem Protease-Hemmer.

Therapien mit geboostertem PI seien jedoch immunologisch signifikant wirksamer, betonte Lange auf einer Veranstaltung des Unternehmens Abbott. In der Analyse stieg die CD4-Zellzahl im Vergleich zum Ausgangswert mit einem geboosterten PI um 209 Zellen pro Mikroliter Blut, mit einem NNRTI um 174, mit einem ungeboosterten PI um 178 und mit alleiniger NRTI-Kombination um 150 Zellen.

In der bisher längsten Studie mit zuvor nicht behandelten Patienten wirke Lopinavir/r, kombiniert mit 3TC und d4T, auch noch nach sechs Jahren Therapie bei den meisten Patienten, so Lange. Der Intent-To-Treat-Analyse zufolge - es wurden alle Patienten einbezogen - erreichten in dieser offenen Studie 62 Prozent der Patienten eine Virusmenge unter 50 Kopien, und die CD4-Zellzahl stieg unabhängig vom Ausgangswert im Mittel um 529 Zellen pro Mikroliter. In dieser Studie entwickelte sich - wie in anderen Studien auch - noch keine Resistenz gegen Lopinavir/r.

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