AIDS/HIV

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: HIV-Infektion – Test und Behandlung

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 26.09.2005

Tips zur Begleitmedikation bei HIV-infizierten Patienten

Experte empfiehlt Mittel mit Ausscheidung über die Niere

KÖLN (awa). Etwa die Hälfte der Arzneimittel wird über das Isoenzym CYP3A4 metabolisiert. Da auch die Proteasehemmer und nicht-nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer gegen HIV zum großen Teil über dieses Enzym in der Leber abgebaut werden, können sich nicht nur HIV-Medikamente untereinander, sondern auch HIV-Medikamente und Begleitmedikation gegenseitig verstärken oder abschwächen. Dies ist bei der Therapie HIV-Infizierter zu berücksichtigen.

Wenn möglich sollten deshalb Begleitmedikamente ausgesucht werden, die über die Niere ausgeschieden werden. Darauf hat kürzlich der niedergelassene HIV-Therapeut Dr. Stefan Christensen aus Münster auf dem 15. Workshop der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ) in Köln aufmerksam gemacht.

So sollten bei antiretroviral behandelten Patienten zum Beispiel von den Antihistaminika Cetirizin, von den Antimykotika Fluconazol und von den Antiepileptika Gabapentin und Valproat bevorzugt werden. Statt trizyklischer Antidepressiva eignen sich Serotonin-Wiederaufnahmehemmer besser als begleitende Medikamente der HIV-Therapie.

    Bei der Therapie gegen HIV mit einem Protease-Hemmer kann die Verhütung mit der Pille gestört werden.
   

Statt Clarithromycin und Erythromycin sei Azithromycin angezeigt, und bei Migräne sollte bei gleichzeitiger antiretroviraler Therapie mit Triptanen statt mit Ergotaminen behandelt werden. Für eine antihypertensive Therapie sollte auf Kalzium-Antagonisten verzichtet werden. Und: Bei gleichzeitiger HIV-Therapie sind Johanniskraut und Echinacea kontraindiziert.

Häufig seien auch Dosis-Anpassungen erforderlich, sagte Leonie Meemken, Pharmazeutin am Institut für Infektiologie und Immunologie (ifi) in Hamburg. So müsse bei einer Entzugstherapie mit Methadon auf Entzugserscheinungen geachtet und bei Bedarf die Dosis des Methadons erhöht oder stattdessen mit dem Wirkstoff Buprenorphin entzogen werden.

Verhüten Frauen mit oralen Kontrazeptiva, kann je nach Protease-Hemmer entweder eine zusätzliche Verhütungsmethode benötigt werden, da die Konzentration der Hormone im Blut verringert sei, oder die Dosis der Hormone müsse gesenkt werden, wenn die Konzentration der Hormone durch die HIV-Therapie erhöht werde.

Hilfestellung bei Wechselwirkungen, unerwünschten Wirkungen und Auswahl der Begleitmedikation gibt es bei der Hotline des ifi unter der Adresse www.ifi-interaktions-hotline.de, auf Englisch mit Medikamentenkombinationen zum Nachprüfen unter der Adresse http://www.hiv-druginteractions.org sowie unter der Adresse http://www.medscape.com/px/hivscheduler

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »