Ärzte Zeitung, 09.02.2006

Netz für die Betreuung HIV-Infizierter

Ärzte legen Konzept für qualitätsgesicherte Versorgung vor - nun sind die Kassen am Zug

MÜNCHEN (sto). Die Versorgung der etwa 49 000 HIV-Infizierten in Deutschland findet überwiegend in Schwerpunktpraxen statt. Viele der Praxisinhaber arbeiten in der hausärztlichen Versorgung.

Darauf hat der Vorsitzende der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ), der Aachener Internist Dr. Heribert Knechten, bei den 11. Münchner AIDS-Tagen hingewiesen.

Um die Kontinuität der Versorgung auch unter geänderten gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen sicherzustellen, haben Kassenärztliche Bundesvereinigung, DAGNÄ und Deutsche Aids-Hilfe Ende vergangenen Jahres den Kassen einen Vertragsentwurf zur qualitätsgesicherten Betreuung und Behandlung von HIV/Aids-Patienten vorgelegt. Dieser Entwurf müsse nun in einen Vertragsabschluß münden, forderte Knechten.

    Der Vertragsentwurf weist Elemente eines DMP auf.
   

Ziel der Vereinbarung sei es, durch hohe Qualitätsanforderungen an die Schwerpunktpraxen und durch eine Vernetzung von Schwerpunktpraxen mit Haus- und Fachärzten die Versorgung weiter zu verbessern. Entscheidend seien die "gesamtverantwortliche Versorgungssteuerung" auch bei der sozialmedizinischen Betreuung der Patienten sowie die Koordination der Behandlung durch die Schwerpunktpraxen, so Knechten.

Um an einem solchen Versorgungskonzept teilnehmen zu können, müssen die Schwerpunktpraxen ausreichende Erfahrung mit der Behandlung von HIV- und Aids-Patienten haben sowie eine Mindestzahl von Patienten betreuen. Erwartet wird der Besuch von HIV-spezifischen Fortbildungen und Qualitätszirkeln. Der Vertragsentwurf habe Elemente eines Disease-Management-Programms, erläuterte Knechten.

Durch die Mitarbeit erfahrener HIV-Behandler und der DAGNÄ am Konzept sei die Gefahr einer "partiellen Realitätsferne" vermieden worden. Auch sei der Vertrag nicht an den Risikostrukturausgleich der Kassen gekoppelt. Deshalb müßten auch keine Patienten rekrutiert werden, denn "die sind schon da".

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