AIDS/HIV

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Modul: HIV-Infektion – Test und Behandlung

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Ärzte Zeitung, 02.03.2006

HIV-Hemmstoff Enfuvirtid wird oft noch zu spät gespritzt

Therapeut rät: Fusionshemmstoff sollte nicht erst als letztes Mittel verabreicht werden / Kombination mit Protease-Hemmer empfohlen

BERLIN (gvg). Der Hemmer Enfuvirtid, der die Fusion von HIV mit T-Helfer-Zellen unterbindet, wirkt optimal, wenn er in der HIV-Salvage-Therapie rechtzeitig angewandt wird. Darauf haben jetzt HIV-Therapeuten in Berlin hingewiesen.

Das zweimal täglich subkutan verabreichte Enfuvirtid (Fuzeon®) ist seit 2003 für die Therapie bei HIV-Infizierten zugelassen. Es wird jenen Patienten gespritzt, die ungenügend auf Therapien ansprechen, die ausschließlich die drei anderen Substanzklassen Protease-Hemmer sowie nukleosid- und nicht-nukleosidartige Hemmstoffe des HIV-Enzyms Reverse Transkriptase enthalten.

Diese Einschränkung dürfe aber nicht dazu führen, daß Enfuvirtid erst als letztes Mittel angewandt werde, wenn für alle oder fast alle anderen Substanzen bereits Resistenzen nachgewiesen seien, sagte Professor Matthias Stoll von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Denn die Wirkung von Enfuvirtid sei dann nicht mehr optimal. Am günstigsten sei die Anwendung in einem früheren Stadium der Salvage-Therapie, und zwar in Kombination mit einem durch niedrigdosiertes Ritonavir geboosterten (verstärkten) Protease-Hemmer (PI), für den noch keine Resistenz vorliegt.

In dieser Konstellation könne der Effekt einer PI-haltigen Kombination auf die Helfer-Zellen und die HIV-RNA-Menge im Blut durch die zusätzliche Therapie mit Enfuvirtid etwa verdoppelt werden, so Stoll auf der von dem Unternehmen Hoffmann-La Roche unterstützten Veranstaltung.

Belegt werden konnte das etwa in der POWER-2-Studie. Nach 24 Wochen erreichten in der Gruppe, in der Enfuvirtid, geboostertes Darunavir und eine optimale Therapie mit Reverse-Transkriptase-Hemmern verabreicht wurden, 64 Prozent der Behandelten eine Virusmenge von weniger als 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut. In der Vergleichsgruppe ohne Enfuvirtid waren es hingegen nur 30 Prozent.

Den wichtigsten Grund für die oft zu späte Anwendung von Enfuvirtid sieht Stoll in Vorbehalten gegen die Subkutantherapie. Studien belegten aber, daß die Compliance hier eher besser sei als bei Tabletten.

Sehr wichtig sei eine intensive Aufklärung über Notwendigkeit und mögliche Probleme der Therapie, so Stoll. Hoffmann-La Roche hat nun ein Programm gestartet, bei dem in der Betreuung HIV-Infizierter erfahrene Schwestern für die Beratung bei Enfuvirtid-Neueinstellung geschult werden.

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