Ärzte Zeitung, 21.08.2006

Drei Substanzen eliminieren HI-Viren effektiv

Vierter Wirkstoff bringt Aids-Patienten keinen Gewinn / Dreijährige Studie mit nicht vorbehandelten Teilnehmern

TORONTO (awa). Vier Medikamente sind nicht besser als drei Medikamente: Erhalten bisher nicht behandelte Aids-Patienten zusätzlich zu einer Standardtherapie aus drei verschiedenen Substanzen eine vierte, ist die Viererkombination zwar nicht toxischer, bringt jedoch auch keinen Vorteil, erhöht aber die Kosten.

Das ist das Ergebnis einer randomisierten, doppelblinden Studie der AIDS Clinical Trials Group (ACTG). Darin erhielten 765 bisher nicht behandelte Patienten drei Jahre lang zwei verschiedene Therapien: entweder die beiden nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer (NRTI) AZT und 3TC und den nicht nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) Efavirenz oder diese Dreierkombination plus den NRTI Abacavir.

Vorgestellt wurde die Studie von Professor Roy Gulick, New York/USA, auf der Welt-Aidskonferenz in Toronto, Kanada. Sie wurde auch aktuell in der Zeitschrift der American Medical Association veröffentlicht (JAMA 296, 2006, 769).

Innerhalb von drei Jahren erreichten in beiden Behandlungsarmen jeweils ein Viertel der Patienten den primären Endpunkt virologisches Versagen, definiert als Viruslast über 200 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter in zwei aufeinanderfolgenden Messungen. Die Zeit bis zum virologischen Versagen, der Anstieg der CD4-Zellzahl, die Rate der Nebenwirkungen, die The-rapietreue sowie die Resistenzentwicklung unterschieden sich in den beiden Gruppen ebenfalls nicht.

Insgesamt haben Gulick zufolge beide Therapien die Vermehrung der HI-Viren ähnlich effektiv verhindert. So sank die Viruslast bei den meisten Patienten innerhalb von 16 Wochen unter 200 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut und innerhalb von 24 Wochen unter 50 Kopien.

85 Prozent der 169 Patienten, die nach drei Jahren noch im Studienarm mit der Dreierkombination behandelt wurden, hatten eine Viruslast unter 50 Kopien. Mit der Viererkombination erreichten das 88 Prozent der 156 noch in der Studie verbliebenen Patienten.

Damit bestätigten die Ergebnisse nach Aussage von Gulick, daß zwei NRTIs plus Efavirenz als eine der empfohlenen bevorzugten Ersttherapien ausreichend wirksam ist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »