Ärzte Zeitung, 25.08.2006

Mikrobizide sollen Frauen mehr Schutz vor dem Aids-Erreger bieten

Vaginale Prävention wird in Phase-III-Studien mit 30 000 Gefährdeten geprüft

TORONTO (awa). Mikrobizide, die vaginal angewendet werden, sollen verstärkt zur Prävention einer HIV-Infektion erforscht werden. Die meisten Mikrobizide werden derzeit als Gel entwickelt. In der frühen Phase der klinischen Entwicklung ist aber auch ein Vaginalring, der ein Medikament gegen HIV über mehrere Wochen freisetzt.

Mikrobizide zerstören das HI-Virus komplett oder inaktivieren Virusteile. Die Mittel bilden eine Sperre zwischen Virus und Schleimhaut, verhindern das Verschmelzen des Virus mit der Wirtszelle oder hemmen die Vermehrung des bereits in die Wirtszelle integrierten Virus.

Zwei Dominikanerinnen mit einem Aufklärungsheft. Zur HIV-Prävention werden derzeit verstärkt Mikrobizide erforscht. Foto: dpa

Dr. Richard Shattock aus London in Großbritannien rechnet damit, daß in den nächsten fünf Jahren ein vaginal anzuwendendes Mikrobizid der ersten Generation verfügbar sein wird. Diese meist als farbloses Gel formulierten Substanzen seien leicht herzustellen und preisgünstig sowie einfach anzuwenden. Außer gegen HIV schützen sie vor Herpesviren und Chlamydien sowie vor einer Gonorrhoe. Sie könnten zudem Schwangerschaften verhindern, sagte Shattock auf der Welt-Aids-Konferenz in Toronto in Kanada.

Der Grad der spezifischen Wirksamkeit der Mittel gegen HIV sei jedoch ungeklärt, sagte Shattock. Zudem sei bisher im Tiermodell nicht belegt worden, daß das Prinzip auch wirklich funktioniert. Aktuell wird die Wirksamkeit dieser Substanzen in Afrika, Indien und in den USA in Phase-III-Studien bei mehr als 30 000 Frauen geprüft. Erste Ergebnisse könnten bereits 2008 vorliegen.

Vielversprechende Daten aus Tiermodellen gibt es nach Angaben von Shattock von Mikrobiziden der zweiten Generation, die antiretrovirale Substanzen enthalten. Diese ursprünglich als HIV-Medikamente entwickelten Wirkstoffe seien als Mikrobizide sicher anzuwenden und günstig herzustellen. Sie werden in Mikrobizid-Präparaten in sehr geringen Dosen verwendet, könnten aber potentiell Resistenzen von HIV begünstigen.

Topische Mikrobizide haben den Nachteil, daß sie vor jedem Geschlechtsverkehr angewendet werden müssen. Ein Vaginalring aus flexiblem Kunststoff, wie er auch zur hormonellen Verhütung verwendet wird, kann dagegen zum Beispiel einen Monat in der Scheide bleiben. Ein solcher Ring, der TMC120 - einen nicht-nukleosidalen Hemmer der Reversen Transkriptase von HIV - freisetzt, werde zur Zeit geprüft, so Dr. Joseph Romano von der International Partnership of Microbicides in Silver Spring im US-Staat Maryland.

In einer Phase-I/II-Studie trugen zehn Frauen jeweils einen Vaginalring mit TMC120 und drei Frauen einen Vaginalring mit Placebo für sieben Tage. Der Wirkstoff wurde gleichmäßig in der Vagina freigesetzt und konnte nur in sehr niedrigen Mengen im Plasma nachgewiesen werden.

Weitere Infos zu Mikrobiziden etwa unter www.microbicides2006.org/

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