AIDS/HIV

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Modul: HIV-Infektion – Test und Behandlung

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Ärzte Zeitung, 05.07.2007

Rezeptorblocker erweitert HIV-Therapie

Neues Therapie-Prinzip: Maraviroc hält Virus von Zellen fern / EU-Zulassung beantragt

FRANKFURT / M. (ple). Mit dem oral verabreichten Präparat Maraviroc gibt es bald ein neues Therapie-Prinzip für HIV-Infizierte. Der Antagonist verhindert, dass der Aids-Erreger in Zellen eindringen kann, weil er zelluläre Rezeptoren blockiert und nicht den Aids-Erreger selbst. Zulassungsanträge in der EU und den USA sind bereits gestellt.

In Kombination mit einer optimierten antiretroviralen Basistherapie gelingt es durch Maraviroc, mit bis zu 46 Prozent bei fast jedem zweiten HIV-Infizierten die Virusmenge unter die Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter zu senken.

Wie Professor Gerd Fätkenheuer aus Köln beim 3. Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt / Main berichtet hat, geht das aus den 24-Wochen-Daten der beiden Placebo-kontrollierten Studien Motivate 1 (601 Patienten) und 2 (474 Patienten) hervor. In den Placebo-Gruppen erreichte nur etwa jeder vierte Patient diesen Wert.

Die Studienteilnehmer waren zuvor mindestens ein halbes Jahr lang mit wenigstens einer anderen antiretroviralen Arznei behandelt worden oder hatten Resistenzen gegen mindestens eines der Medikamente. In der Studie erhielten sie zusätzlich Maraviroc oder Placebo, wie Fätkenheuer bei der von Pfizer unterstützten Veranstaltung berichtete.

Maraviroc ist ein CCR5-Antagonist. CCR5 ist ein Korezeptor auf der Zelloberfläche, mit dessen Hilfe HIV in Zellen eindringt. Mehr als 80 Prozent der Patienten haben den Rezeptor. Nur diese Patienten profitieren von Maraviroc. Deshalb ist vor der Therapie ein Test auf CCR5 erforderlich.

Das Test-Ergebnis kann nach Angaben des Virologen Professor Lutz Gürtler aus Greifswald bereits nach einer Woche vorliegen. Ein bisher genutzter Test in den USA benötigt vier bis sechs Wochen. Nach Angaben von Fätkenheuer wird das Präparat bald innerhalb eines EA-Programms (expanded access program, erweitertes Zugangsprogramm) in Deutschland verfügbar sein. Die Zulassung werde Ende des Jahres erwartet.

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