Auf dem Weg zurück zur Frühtherapie gegen HIV

MADRID (awa). Die europäische Aids-Gesellschaft (EACS) hat neue Leitlinien beim europäischen Aidskongress in Madrid veröffentlicht. Darin wird unter anderem für bestimmte Patienten jetzt ein früherer Beginn der HIV-Therapie als bisher empfohlen.

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"Diese dritte Fassung der europäischen Leitlinien ist weniger konservativ und sehr viel aggressiver als die Fassungen im Jahr 2003 und 2005", sagte Professor José Gatell, Präsident der EACS. Das Ziel einer antiretroviralen Therapie sollte sein, die Virusmenge im Blut innerhalb von sechs Monaten unter die Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter zu senken. Andernfalls hat die Therapie virologisch versagt. Das gelte jetzt auch für bereits behandelte Patienten mit bisher eingeschränkten Therapie-Optionen, und zwar dank neuer Präparate, betonte Gatell.

Eine Therapie ist nach wie vor obligat bei symptomatischen Patienten - auch schon bei nicht Aids-definierenden Erkrankungen wie Herpes Zoster - und sollte bei asymptomatischen Patienten nun unverzüglich beginnen, wenn die CD4-Zellzahl unter 200 Zellen pro Mikroliter beträgt.

Die initiale antivirale Therapie sollte drei Wirkstoffe enthalten.

Bei asymptomatischen Patienten mit 201 bis 350 CD4-Zellen wird jetzt ein Therapiestart empfohlen, anstatt ihn nur zu erwägen. Die europäischen Leitlinien nennen jetzt zudem weltweit als einzige bestimmte Patienten mit mehr als 350 CD4-Zellen pro Mikroliter, denen eine Therapie angeboten werden sollte: Bei einer Virusmenge über 100 000 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter und / oder Abfall der CD4-Zellzahl um 50 bis 100 Mikroliter pro Jahr oder einem Alter über 55 Jahre oder bei einer Koinfektion mit Hepatitis C.

Eine initiale Therapie sollte nach wie vor aus drei Medikamenten bestehen, und zwar aus einem nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) oder einem mit Ritonavir verstärkten Proteasehemmer - als PI/r abgekürzt - und zwei nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmern (NRTI). Empfohlen werden die NNRTI Efavirenz und Nevirapin, die PI/r Lopinavir/r, Fosamprenavir/r und Saquinavir/r sowie die beiden fixen Kombinationen aus zwei NRTI Tenofovir/Emtricitabin und Abacavir/Lamivudin.

Metabolische Erkrankungen sind nach Angaben von Gatell auf die HIV-Infektion, die antiretrovirale Therapie und auf das Alter zurückzuführen. Sie sind wegen der steigenden Lebenserwartung der HIV-Infizierten zunehmend bedeutsam. Die Leitlinien für die metabolischen Erkrankungen bei HIV umfassen die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen, die Behandlung wegen Dyslipidämien und Hypertonie, Prävention und Management der Lipodystrophie und Hyperlaktatämie, Therapie bei Typ-2-Diabetes sowie Prävention und Management der Hyperlaktatämie.

Weitere Infos finden Sie unter http://www.eacs.eu/guide/index.htm

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