Ärzte Zeitung, 01.12.2008

Gefährliches Duo HIV und Tuberkulose - Diagnose und Therapie sind sehr schwierig

Aus Anlass des 20. Welt-Aids-Tages am 1. Dezember haben Wissenschaftler auf die besondere Gefährdung von HIV-infizierten Menschen durch Tuberkulose hingewiesen. Wichtig seien vor allem bessere diagnostische Werkzeuge.

Die meisten HIV-infizierten Menschen gibt es in Afrika südlich der Sahara. Die Prävalenz bei Erwachsenen liegt dort bei fünf Prozent.

Gerade in Staaten mit einer hohen Rate an HIV-Infektionen ist die Komorbidität von Tuberkulose und HIV ein ernstes Problem. So sind in einigen Regionen Afrikas etwa acht von zehn Patienten mit neu diagnostizierter Tuberkulose zusätzlich HIV-infiziert, wie Dr. Frauke Jochims von der Organisation Ärzte ohne Grenzen betonte. In Europa liege die entsprechende Quote im Mittel zwar nur bei drei Prozent, sagte Dr. Richard Zaleskis vom WHO Regional Office in Kopenhagen. Doch auch hier gibt es in einigen Regionen erheblich höhere Raten, namentlich in Portugal, wo der Anteil HIV-Infizierter bei Patienten mit neuer Tuberkuloseerkrankung bei über zehn Prozent liegt.

Patienten mit Koinfektionen von HIV und Tuberkulose sind für Ärzte aus verschiedenen Gründen problematisch. Zum einen ist die Therapie oft eine Herausforderung, weil HIV-positive Menschen mit Tuberkulose sehr viel häufiger multiresistente Mykobakterien aufweisen als nicht mit HIV infizierte Tuberkulosepatienten. "Wir brauchen deswegen dringend neue Therapien", so Jochims bei einer Veranstaltung des Koch-Metschnikow-Forums in Berlin.

Mindestens genauso schwierig ist die Diagnostik. Denn die üblichen Diagnoseverfahren für Tuberkulose wie der Röntgenthorax und die Sputummikroskopie versagen bei HIV-Infizierten zum Teil zu über fünfzig Prozent. Das hat erhebliche Konsequenzen. Denn Entscheidungen wie die über eine Prophylaxe mit Isoniazid bei HIV-Infizierten mit latenter TB erfordern natürlich zunächst einmal eine entsprechende Diagnose.

Zuverlässigere Verfahren existieren zwar. Sie sind aber sehr teuer oder sehr langwierig oder beides, und damit zumindest für einen Einsatz in Regionen mit schlechter medizinischer Infrastruktur eher ungeeignet. Die in Berlin versammelten Experten mahnten daher die Entwicklung neuer diagnostischer Methoden für TB als eine der wichtigsten "Forschungsbaustellen" im Kontext der HIV-Pandemie an.

Angemahnt: Verfahren zur TB-Diagnostik.

Ansätze gibt es. So stellte Dr. Bettina Rehr vom Imperial College in London einen Test vor, der die Interferonsekretion von T-Zellen als Reaktion auf einen Kontakt des Organismus zu Mycobacterium tuberculosis misst. Anders als etwa der Tuberkulin-Hauttest behalte dieser Test seine hohe Sensitivität auch bei HIV-Infizierten, so Rehr. Ein weiterer Vorteil: Die Testergebnisse liegen über Nacht vor - und nicht erst nach Wochen.

Bei anderen Projekten wird versucht, gleich noch die Bestimmung des Resistenzstatus in die Tuberkulosediagnostik zu integrieren. Klar ist aber: Keines dieser neuen Verfahren ist bereits so weit gediehen, dass ein großflächiger Einsatz in Entwicklungsländern unmittelbar bevorstehen würde. Ärzte ohne Grenzen fordert deswegen zusätzliche öffentliche Fördermittel für diesen speziellen Forschungszweig.

Zur weltweiten HIV-Epidemie hat das HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) Zahlen veröffentlicht: Weltweit gibt es demnach etwa 33 Millionen Menschen mit HIV-Infektion, darunter zwei Millionen Kinder. 2007 sind zwei Millionen Menschen durch das Immunschwäche-Virus gestorben, und 2,7 Millionen haben sich mit HIV infiziert.

Zum 20. Welt-Aids-Tag wird auch in Deutschland über HIV-Infektionsrisiken und Schutzmaßnahmen informiert. Der "Ärzte Zeitung" liegt ein Wartezimmer-Plakat bei, das zu Spenden für die Deutsche AIDS-Stiftung mobilisieren soll. (eb)

www.welt-aids-tag.de und www.unaids.org

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