Direkt zum Inhaltsbereich

Gefährliches Duo HIV und Tuberkulose - Diagnose und Therapie sind sehr schwierig

Aus Anlass des 20. Welt-Aids-Tages am 1. Dezember haben Wissenschaftler auf die besondere Gefährdung von HIV-infizierten Menschen durch Tuberkulose hingewiesen. Wichtig seien vor allem bessere diagnostische Werkzeuge.

Veröffentlicht:

Gerade in Staaten mit einer hohen Rate an HIV-Infektionen ist die Komorbidität von Tuberkulose und HIV ein ernstes Problem. So sind in einigen Regionen Afrikas etwa acht von zehn Patienten mit neu diagnostizierter Tuberkulose zusätzlich HIV-infiziert, wie Dr. Frauke Jochims von der Organisation Ärzte ohne Grenzen betonte. In Europa liege die entsprechende Quote im Mittel zwar nur bei drei Prozent, sagte Dr. Richard Zaleskis vom WHO Regional Office in Kopenhagen. Doch auch hier gibt es in einigen Regionen erheblich höhere Raten, namentlich in Portugal, wo der Anteil HIV-Infizierter bei Patienten mit neuer Tuberkuloseerkrankung bei über zehn Prozent liegt.

Patienten mit Koinfektionen von HIV und Tuberkulose sind für Ärzte aus verschiedenen Gründen problematisch. Zum einen ist die Therapie oft eine Herausforderung, weil HIV-positive Menschen mit Tuberkulose sehr viel häufiger multiresistente Mykobakterien aufweisen als nicht mit HIV infizierte Tuberkulosepatienten. "Wir brauchen deswegen dringend neue Therapien", so Jochims bei einer Veranstaltung des Koch-Metschnikow-Forums in Berlin.

Mindestens genauso schwierig ist die Diagnostik. Denn die üblichen Diagnoseverfahren für Tuberkulose wie der Röntgenthorax und die Sputummikroskopie versagen bei HIV-Infizierten zum Teil zu über fünfzig Prozent. Das hat erhebliche Konsequenzen. Denn Entscheidungen wie die über eine Prophylaxe mit Isoniazid bei HIV-Infizierten mit latenter TB erfordern natürlich zunächst einmal eine entsprechende Diagnose.

Zuverlässigere Verfahren existieren zwar. Sie sind aber sehr teuer oder sehr langwierig oder beides, und damit zumindest für einen Einsatz in Regionen mit schlechter medizinischer Infrastruktur eher ungeeignet. Die in Berlin versammelten Experten mahnten daher die Entwicklung neuer diagnostischer Methoden für TB als eine der wichtigsten "Forschungsbaustellen" im Kontext der HIV-Pandemie an.

Angemahnt: Verfahren zur TB-Diagnostik.

Ansätze gibt es. So stellte Dr. Bettina Rehr vom Imperial College in London einen Test vor, der die Interferonsekretion von T-Zellen als Reaktion auf einen Kontakt des Organismus zu Mycobacterium tuberculosis misst. Anders als etwa der Tuberkulin-Hauttest behalte dieser Test seine hohe Sensitivität auch bei HIV-Infizierten, so Rehr. Ein weiterer Vorteil: Die Testergebnisse liegen über Nacht vor - und nicht erst nach Wochen.

Bei anderen Projekten wird versucht, gleich noch die Bestimmung des Resistenzstatus in die Tuberkulosediagnostik zu integrieren. Klar ist aber: Keines dieser neuen Verfahren ist bereits so weit gediehen, dass ein großflächiger Einsatz in Entwicklungsländern unmittelbar bevorstehen würde. Ärzte ohne Grenzen fordert deswegen zusätzliche öffentliche Fördermittel für diesen speziellen Forschungszweig.

Zur weltweiten HIV-Epidemie hat das HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) Zahlen veröffentlicht: Weltweit gibt es demnach etwa 33 Millionen Menschen mit HIV-Infektion, darunter zwei Millionen Kinder. 2007 sind zwei Millionen Menschen durch das Immunschwäche-Virus gestorben, und 2,7 Millionen haben sich mit HIV infiziert.

Zum 20. Welt-Aids-Tag wird auch in Deutschland über HIV-Infektionsrisiken und Schutzmaßnahmen informiert. Der "Ärzte Zeitung" liegt ein Wartezimmer-Plakat bei, das zu Spenden für die Deutsche AIDS-Stiftung mobilisieren soll. (eb)

www.welt-aids-tag.de und www.unaids.org

Lesen Sie dazu auch: Aids-Bilanz zwischen Sorge und Fortschritt Deutlich weniger Aids-Tote in Deutschland - Mehr HIV-Infektionen Aids-Stiftung: Im Kampf gegen Aids nicht nachlassen

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Änderungen im Überblick

So wirkt sich das GKV-Spargesetz auf Praxen aus

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Lesetipps
Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen

Schlange wartender Patienten am Praxisempfang

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Einschätzung von Kollegen

Wenn die Telefon-AU wegfällt: Was das für den Praxisalltag bedeutet