Ärzte Zeitung, 06.07.2009

Diagnose einer HIV-Infektion oft erst bei Symptomen

Immer noch wird auch in Deutschland bei vielen HIV-Infizierten die Virusinfektion erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung diagnostiziert.

Von Adela Žatecky

Ein Patient berät sich mit seiner Ärztin über eine HIV-Therapie. Viele Infizierte kommen sehr spät zum Arzt.

Foto: pa

Dass eine Infektion mit dem Aids-Erreger HIV bei vielen nicht früher entdeckt wird, hat Folgen: Die Prognose ist deutlich verschlechtert, und das Risiko für therapieassoziierte Diarrhöen ist erhöht. Wie Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn beim 1. Deutsch-Österreichisch-Schweizerischen Aids-Kongress (SÖDAK 2009) in St. Gallen in der Schweiz berichtete, weist nach wie vor etwa ein Drittel der HIV-Infizierten in Deutschland bei der Erstdiagnose bereits eine symptomatische Erkrankung auf - also CDC-Stadium B oder Stadium C. Dieser Anteil habe sich in den vergangenen Jahren kaum verändert, so Rockstroh auf einem Satellitensymposium von Bristol-Myers Squibb.

Dabei ist eine späte Diagnose auch mit einer schlechteren Prognose assoziiert: In einer aktuellen Auswertung der Daten von 387 gestorbenen HIV-Infizierten war bei einem Viertel auch die für eine effektive Therapie zu späte Diagnose die Ursache für den fatalen Verlauf.

Diese Situation gab auch den Ausschlag für das Projekt "HIV in Europe", aus dem eine Liste von acht Indikator-Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für eine HIV-Infektion assoziiert sind, hervorgegangen ist:

  • sexuell übertragene Krankheiten,
  • maligne Lymphome, unabhängig vom Subtyp,
  • zervikale oder anale Dysplasien und Krebserkrankungen,
  • Herpes zoster bei Personen unter 65 Jahren,
  • Hepatitis B oder C, akut oder chronisch, unabhängig vom Diagnose-Zeitpunkt,
  • aktuelle Mononukleose- ähnliche Erkrankung,
  • Leukozytopenie oder Thrombozytopenie unklarer Genese,
  • seborrhoische Dermatitis.

Bei all diesen Erkrankungen sollte den Betroffenen zum HIV-Test geraten werden, so die Empfehlung des Expertengremiums. Wird eine HIV-Infektion diagnostiziert, dann sei bei allen Betroffenen mit einer CD4-Zellzahl unter 350 Zellen pro Mikroliter Blut eine antiretrovirale Therapie indiziert, so Rockstroh. Gerade bei Patienten mit verspäteten Diagnosen ist das Risiko für therapieassoziierte Diarrhöen erhöht.

Wie eine Subgruppenauswertung der CASTLE-Studie gezeigt hat, profitieren Patienten mit fortgeschrittenem Immundefekt bei Ersttherapie überproportional von einem Atazanavir-haltigen Therapieregime, da damit Diarrhöen seltener sind als unter anderen Proteasehemmern.

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