Ärzte Zeitung, 25.06.2010

Blutspendedienst testet jede Spende einzeln auf HIV und Hepatitis

Blutspendedienst München: Kritisches Zeitfenster für unerkannte Infekte verkürzt

MÜNCHEN (wst). Der den Städtischen Kliniken München GmbH angeschlossene Blutspendedienst München ist nach eigenen Angaben bundesweit die erste Einrichtung, die jede Blutspende einzeln und nicht im Pool mit Nukleinsäuretests (NAT) auf HIV-1, Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren testet.

Erster Blutspendedienst testet jede Spende einzeln auf HIV und Hepatitis

Transfusionsbeutel mit Erythrozytenkonzentrat: Neue Tests erhöhen die Sicherheit.

© bilderbox / fotolia.com

Mit den Tests werden Bluttransfusionen und aus Spenderblut hergestellte Blutprodukte noch sicherer, hat Dr. Ernst-Markus Quenzel, Ärztlicher Leiter des Blutspendedienstes München, betont. Wie er auf einer Pressekonferenz in seiner Einrichtung erinnerte, wurde das kritische Zeitfenster bisher bereits durch den direkten Erregernachweis mit PCR-gestützten Nachweismethoden anstatt der früher üblichen serologischen Antikörper- beziehungsweise Antigentestung dramatisch verkleinert. Mit dem Fenster wird der Zeitraum zwischen der potenziellen Infektion eines Spenders und dem Zeitpunkt, ab dem ein Infektionsnachweis im Blut möglich ist, bezeichnet.

Allerdings ist zum direkten Erregerscreening von Spenderblut in Deutschland bislang die Testung von Pools, in denen Proben von bis zu 96 Spendern zusammengefasst werden, immer noch Standard, stellte Peter Kanzler vom Unternehmen Novartis bei der Veranstaltung klar. Mit dem Pooling in Kauf genommene Verdünnungseffekte begünstigen, dass ein gerade erst Infizierter mit einer noch niedrigen Erregerkonzentration auch sehr empfindlichen PCR-gestützten Nachweismethoden entgeht. Dieses Risiko wird durch eine Einzelspendentestung deutlich reduziert. Mit dem Procleix® Ultrio Plus® Test, einem neuen Modul des PROCLEIX® TIGRIS® Systems vom Unternehmen Novartis, könnten individuelle Blutproben vollautomatisch und damit mit relativ wenig Arbeitsaufwand sehr sensitiv auf HIV, HCV und HBV getestet werden.

Nach statistischen Modellanalysen wird mit dieser rationellen Einzelspendentestung im Vergleich zu einer etablierten Pooltestung das kritische Zeitfenster von der Infektion bis zur Nachweisbarkeit bei HCV im Mittel von 7,4 auf 4,9 Tage, bei HIV von 9,0 auf 5,6 Tage und bei HBV von 32,3 auf 24,6 Tage reduziert.

[25.06.2010, 16:43:07]
Dr. Stefan Mauß 
Bitte nachmachen!
Sehr gute Initiative! Bleibt zu hoffen, dass viele andere Blutspendedienste nachziehen. Wenn man bedenkt, dass das Blutspendewesen nicht zuletzt auch eine ganze Menge Geld generiert und viele Arbeitsplätze schafft, sollte eine Einzeltestung jeder einzelnen Spende eigentlich selbstverständlich sein- nicht zuletzt vor dem Hintergrund der durch Transfusionen weltweit vielen Infizierten mit HIV, Hep B/C etc. Auch künftig ist jeder Infizierte einer zuviel- und produziert zudem noch hohe Therapiekosten, da sollte etwas Mehraufwand in der Testung wohl das kleinere Übel sein.  zum Beitrag »

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