Ärzte Zeitung, 31.08.2010

Initiative gegen Tuberkulose bei HIV

Weltweit haben etwa 1,4 Millionen Menschen HIV und gleichzeitig eine aktive TB. Eine neue Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst alle Patienten mit lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten zu versorgen.

Von Andrea Warpakowski und Thomas Müller

Initiative gegen Tuberkulose bei HIV

Makrophage mit Mycobacterium tuberculosis.

© Brinkmann / Schaible, MPI für Infektionsbiologie

Weltweit sterben nach Schätzungen der UN-Aidsorganisation UNAIDS eine halbe Million HIV-Infizierte pro Jahr an Tuberkulose. Bei jedem vierten ist diese sogar die Ursache für den vorzeitigen Tod, nicht Aids.

In Wien haben sich UNAIDS und die von der WHO initiierte "Stop TB Partnership" das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Zahl der HIV-Infizierten, die jährlich an Tuberkulose sterben, bis zum Jahr 2015 zu halbieren - verglichen mit dem Stand von 2004. Dazu wurde von beiden Organisationen eine Absichtserklärung unterzeichnet. Darin wird das Ziel festgelegt, möglichst alle Patienten, die zugleich mit HIV und Tuberkulose infiziert sind, mit lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten zu versorgen. Die neue Initiative will dafür sorgen, dass HIV-Diagnostik und Therapie in nationale TB-Gesundheitsprogramme implementiert werden, und umgekehrt sollen nationale TB-Programme auch zunehmend HIV berücksichtigen.

"Secure the Future" kämpft jetzt auch gegen TB

Auch das vor nunmehr elf Jahren initiierte Hilfsprogramm "Secure the Future" von Bristol-Myers Squibb ist jetzt auf die Bekämpfung der TB ausgeweitet worden.

"Secure the Future" hat in den vergangenen zehn Jahren im Rahmen privater und öffentlicher Partnerschaften mit mehr als 150 Millionen US-Dollar insgesamt 256 HIV-Projekte in 21 afrikanischen Ländern ins Leben gerufen und unterstützt. Es wurden nicht nur Medikamente zur Verfügung gestellt, sondern es wurde auch die lokale Infrastruktur gestärkt und den Menschen vor Ort geholfen, sich um ihre Gesundheit zu kümmern. Die gesammelte Erfahrung bei der Bekämpfung von HIV / Aids könne nun auch für die Bekämpfung der Tuberkulose genutzt werden, sagte Phangisele Mtshali Manciya, Direktorin der Bristol-Myers-Squibb-Stiftung und von "Secure the Future".

Weltweit ein Drittel der Bevölkerung mit TB infiziert

Mittlerweile sei ein Drittel der Weltbevölkerung mit TB infiziert, und 1,4 Millionen Menschen hätten HIV und gleichzeitig eine aktive TB, berichtete Professor Pierre-Marie Girard vom Hôpital Saint-Antoine in Paris auf einer Veranstaltung von Bristol-Myers Squibb. In Afrika ist TB die Haupttodesursache bei HIV-Infizierten, etwa 90 Prozent von ihnen sterben ohne Behandlung innerhalb von wenigen Monaten nach Infektion mit TB. Das Risiko für Patienten mit einer HIV / TB-Koinfektion, eine aktive TB zu entwickeln, ist 50-mal höher als für Menschen mit gesundem Immunsystem, so Girard.

Eines der großen TB-Projekte von "Secure the Future" ist das "Bambisanani Project Community Tuberculosis Program" in Südafrika, das vollständig von den lokalen Gesundheitseinrichtungen organisiert wird. In diesem Programm besuchen medizinische Mitarbeiter seit 2005 die Haushalte auch in schwer zu erreichenden Gegenden. Seit 2005 wurden mehr als 35 000 Menschen auf TB untersucht, bei 18 000 wurde eine Therapie begonnen, und 16 000 haben die TB-Therapie bereits erfolgreich abgeschlossen. Alleine in 2009 wurden nach Angaben von Nombuyiselo Tsumane, Direktorin von Bambisanani, 10 000 Menschen untersucht und 20 000 Sputumproben gesammelt. Das seien dreimal so viele wie im Jahr 2005 und zeige, dass das Programm von den Gemeinden gut angenommen wurde, sagte Tsumane.

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