Diskussion um Organe von HIV-Infizierten

BALTIMORE (ple). US-Wissenschaftler haben berechnet, dass derzeit in den USA pro Jahr etwa 500 bis 600 HIV-Positive von der postmortalen Transplantation einer - ebenfalls HIV-positiven - Nieren- oder Leberspende profitieren könnten.

Veröffentlicht:
Nierentransplantat: In den USA wird nun darüber diskutiert, künftig auch Organe von HIV-positiven Spendern einzusetzen.

Nierentransplantat: In den USA wird nun darüber diskutiert, künftig auch Organe von HIV-positiven Spendern einzusetzen.

© S. Drolshagen / fotolia.com

Derzeit gibt es in den USA - wie in Deutschland - ein Verbot der Übertragung HIV-positiver Organe auf HIV-Infizierte.

Würde dieses Verbot in den USA aufgehoben, erhielten nach Ansicht von Dr. Dorry Segev aus Baltimore HIV-Infizierte schon innerhalb weniger Monate eine neue Niere oder Leber und nicht erst nach Jahren.

In ihrer Studie werteten Segev und seine Kollegen die Daten zweier großer Datenbanken in den USA aus (Am J Tansplant online 28. März 2011).

Erste Erfahrungen mit der Organverpflanzung zwischen HIV-Infizierten gibt es bisher nur in Südafrika, so Segev zur "Ärzte Zeitung" (NEJM 2010; 362: 2336-37).

In Deutschland können HIV-Infizierte nach den Richtlinien der Bundesärztekammer seit 2003 grundsätzlich auf die Warteliste für ein nicht-infiziertes Spenderorgan wie Niere und Leber aufgenommen werden.

Zum Nutzen einer solchen Transplantation laufen Studien etwa in den USA. Ergebnisse werden im August 2011 erwartet. Einige Erfahrungen mit Nieren- und Lebertransplantationen gibt es bereits.

Doch wird eine Organentnahme grundsätzlich ausgeschlossen, wenn ein potenzieller Spender HIV-positiv ist oder Krebs hat, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation.

Würde das Verbot der Übertragung von Organen zwischen HIV-Infizierten durch den USamerikanischen Kongress aufgehoben, könnten nach Ansicht von Segev weit mehr HIV-Infizierte fremde Organe erhalten als auf der Warteliste stehen.

"Gesetzesänderungen durch den Kongress brauchen ihre Zeit, wahrscheinlich ein bis zwei Jahre. Aber ein Anstoß dafür ist zumindest jetzt gegeben", so Segev.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Jedes zusätzliche Organ zählt

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Adipostas und deren Folgen sind zu einer der häufigsten Todesursachen geworden.

© Christian Delbert / stock.adobe.com

Leopoldina

Adipositas-Epidemie: Diese Strategien braucht es jetzt

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen