Ärzte Zeitung, 13.04.2011

Diskussion um Organe von HIV-Infizierten

Studie: In den USA könnten jedes Jahr etwa 600 HIV-Positive Organe von HIV-Infizierten erhalten

BALTIMORE (ple). US-Wissenschaftler haben berechnet, dass derzeit in den USA pro Jahr etwa 500 bis 600 HIV-Positive von der postmortalen Transplantation einer - ebenfalls HIV-positiven - Nieren- oder Leberspende profitieren könnten.

Diskussion um Organe für HIV-Infizierte

Nierentransplantat: In den USA wird nun darüber diskutiert, künftig auch Organe von HIV-positiven Spendern einzusetzen.

© S. Drolshagen / fotolia.com

Derzeit gibt es in den USA - wie in Deutschland - ein Verbot der Übertragung HIV-positiver Organe auf HIV-Infizierte.

Würde dieses Verbot in den USA aufgehoben, erhielten nach Ansicht von Dr. Dorry Segev aus Baltimore HIV-Infizierte schon innerhalb weniger Monate eine neue Niere oder Leber und nicht erst nach Jahren.

In ihrer Studie werteten Segev und seine Kollegen die Daten zweier großer Datenbanken in den USA aus (Am J Tansplant online 28. März 2011).

Erste Erfahrungen mit der Organverpflanzung zwischen HIV-Infizierten gibt es bisher nur in Südafrika, so Segev zur "Ärzte Zeitung" (NEJM 2010; 362: 2336-37).

In Deutschland können HIV-Infizierte nach den Richtlinien der Bundesärztekammer seit 2003 grundsätzlich auf die Warteliste für ein nicht-infiziertes Spenderorgan wie Niere und Leber aufgenommen werden.

Zum Nutzen einer solchen Transplantation laufen Studien etwa in den USA. Ergebnisse werden im August 2011 erwartet. Einige Erfahrungen mit Nieren- und Lebertransplantationen gibt es bereits.

Doch wird eine Organentnahme grundsätzlich ausgeschlossen, wenn ein potenzieller Spender HIV-positiv ist oder Krebs hat, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation.

Würde das Verbot der Übertragung von Organen zwischen HIV-Infizierten durch den USamerikanischen Kongress aufgehoben, könnten nach Ansicht von Segev weit mehr HIV-Infizierte fremde Organe erhalten als auf der Warteliste stehen.

"Gesetzesänderungen durch den Kongress brauchen ihre Zeit, wahrscheinlich ein bis zwei Jahre. Aber ein Anstoß dafür ist zumindest jetzt gegeben", so Segev.

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